Albyon und Harnac


Eine Beschreibung der Ländereien und angrenzender Gebiete
Von Holger K. Alberty, Benjamin Arndt, Melanie Görlach und Malte Mogilka

 

 

 

 


Das Protektorat Harnac

Meine Damen und Herren, lassen Sie es mich so sagen: Harnac ist schwierig und wird auch in der Zukunft schwierig bleiben. Aber voller Zuversicht darf ich hiermit den REPAH 5-1…
Timotheus Tiberius Tock
Protokoll des Kronrats

Das Land Harnac, welches heute die siebte Provinz des albyonischen Reiches darstellt, war für fast 400 Jahre ein eigenständiges Königreich im Norden der Mittellande zwischen Aredroque, Aranien, Taëria und Kaotien. Im Jahre 490 n.d.E. / 990 HZR lässt, der völlig wahnsinnige, König Hindan XIII. durch seine Magier Portale in eine Höllendimension reißen um sich der wachsenden Anzahl politischer Widersacher und Gefangener zu entledigen. Schon bald lassen sich diese Portale nicht mehr kontrollieren und eins nach dem anderen gerät unter Kontrolle der anderen Seite. Der sich rasch ausbreitende dunkle Krieg, heute auch als die Dämonenkriege bekannt, gipfelt schließlich in der nahezu völligen Zerstörung des Landes. Siehe hier auch Geschichte Harnacs. Der wiederentdeckte Weltenturm, durch den 490 Jahre früher die ersten harnacer Flüchtlinge auf die albyonische Ebene gelangten, dient den Überlebenden Harnacern nun erneut als Fluchtroute. Im Jahr 500 n.d.E / 1000 HZR beginnt eine albyonische Streitmacht, verstärkt durch Truppen der Sarasenakirche, nach und nach Gebiete um den Weltenturm von den schwächer werdenden
Dämonen in mühevoller Arbeit zurück zu erobern. 501 n.d.E / 1001 schließlich wird das letzte Portal mit Hilfe ausländischer Truppen geschlossen und die Dämonenkriege zumindest offiziell nach etwas mehr als 10 Jahren beendet. Harnac wird als siebte Provinz im Rang eines Protektorates in das albyonische Reich aufgenommen, Expeditionstruppen legen die neuen Grenzen zu den Anrainern in den Mittellanden fest und dezimieren die abgeschnittenen Dämonen weiter. Einige Enklaven von Überlebenden werden entdeckt und befreit. Das folgenden Jahrzehnt ist geprägt vom Wiederaufbau unter dem, vom albyonischen Kronrat eingesetzten, Protektor Sandro dú Cuponde. Heutzutage leben wieder geschätzte 85.000 bis 95.000 menschliche und menschenähnliche Bewohner in den Harnacer Landesgrenzen. Die meisten sind zugewanderte Neu-Harnacer aus den umliegenden Reichen der Mittellande oder aus Albyon. Da den Exodus der Dämonenkriege nur etwa 20.000 Menschen überlebten, mussten viele Neu-Harnacer durch kostenintensive Werbungs- und Siedlungsprogramme der Protektoratsverwaltung oder einzelner Landbesitzer gewonnen werden. An der Grenze zu Taëria steht zudem auf ganzer Länge noch eine hölzerne Palisade, Limes genannt, die Taëria zur Zeit der Dämonenkriege vor dunklen Wesenheiten aus Harnac schützen sollte.

Hierhin, bzw. darüber, wurden bis etwa ins Jahr 505 n.d.E. / 1005 HZR viele in Taëria unerwünschte Personen (Straftäter minderschwerer Delikte, politische Gegner, etc.) verbracht.

Eine Beschreibung der Ländereien und angrenzender Gebiete

Durchaus angebrachte Vergleiche dieses Verfahrens mit den Praktiken Hindans XIII. sind von taërianischer Seite vehement bestritten worden und sorgen immer noch für Erheiterung bei den Bewohnern des südlichen Harnac. Die Bevölkerungsgruppe der Ex-Taërianer zählt heute etwa 8000 Personen und siedelt zumeist in den südlichen Regionen der Baronien Markbach und Hollenstein. Auch wenn das Protektorat Harnac sich heutzutage immer noch in vielen Dingen „im Aufbau“ befindet, so sind doch die meisten Landstriche wieder bevölkert, die Infrastruktur größtenteils wieder hergestellt und in den Städten herrscht geschäftiges Treiben. Die direkt nach Ende der Dämonenkriege durch den albyonischen Kronrat und die neue Protektoratsverwaltung aufgelegten Fünfjahrespläne „Restrukturierung, Erhalt, Prosperität und Ansiedlung in Harnac“ (kurz REPAH 5) werden heute als Grundpfeiler des erfolgreichen
Wiederaufbaus gesehen.

Im Zuge dessen mehren sich inzwischen auch die Stimmen derer, die für Harnac den Rang eines Herzogtums im albyonischen Reich und autarke Strukturen fordern. Zurzeit jedoch scheitert dieses Begehren noch regelmäßig in der albyonischen Herzogsversammlung, auch wenn Fürst Aryk I. von Hammerhal der Rangerhöhung Harnacs durchaus positiv gegenüber zu stehen scheint. Die, im Zuge der Restrukturierung, gezogenen Grenzen der sechs harnacer Baronien orientieren sich zumeist an erhaltenen alten Karten und Aufzeichnungen oder der historisch belegten Aufteilung des Landes.

Da den Exodus der Dämonenkriege nur ein Bruchteil der Adeligen und sonstigen Großgrundbesitzern des alten Harnac überlebte und die neue Organisationsform des Protektorats auf wirtschaftlichen Aufbau ausgerichtet war, entschloss sich der albyonische Kronrat dazu das Land zunächst nur in sechs Baronien einzuteilen. Eine weiterführende administrative Schicht, etwa Grafen, würde, so nahm man an, die Pläne für Harnac durch interne Konkurrenz unnötig behindern. Hauptstadt und zugleich größte Stadt des Protektorats Harnac ist, das im Nord-Osten gelegene, Thamberg, hier befinden sich die meisten Behörden des Verwaltungsapparates, das Protektoratsgericht und viele weitere Hauptquartiere weltlicher und geistiger Organisationen.

 



Baronie Weißenfels

Die Ärmel hoch! Die Äxte geschärft! Es gibt viel zu tun! Zum Wohl von Harnac! Zum Wohl von Weißenfels!
Sophia von Finsterau Ansprache zum Blütenfest

Die Baronie Weißenfels umfasst weite Teile des zentralen und nördlichen Harnacs und somit den Großteil des Düsterwaldes. Dieses Waldgebiet, auch großer Wald oder schlicht „Der Wald“ genannt, ist für die Geschichte Harnacs von zentraler Bedeutung. In seiner Mitte befindet sich der Weltenturm, über den im Jahre 500 HZR die ersten Menschen die albyonische Ebene besiedelten und der als Rückzugspunkt am Anfang der Dämonenkriege eine entscheidende Rolle spielte. Umschlossen wird der riesige Düsterwald hierbei im Westen durch die Flüsse Steyer, in der Baronie Herrnhaag, und Raune verbunden durch den Rechlinger Teich. Im Osten hingegen durch das Gewässersystem der Waller, das auch einen Zugang zum Hollensteiner Meer, einem ausgedehnten Inland-Gewässer in der Baronie Hollenstein, bietet.

Eine große Handelsstraße, umgangssprachlich „Große Waldroute“ genannt, verbindet die zentralen Punkte der Baronie mit dem südlich gelegenen Leinach und der Protektoratshauptstadt Thamberg im Osten. Das weiterführende weit gefächerte Straßen- und Wegenetz gilt als eines der vorbildlichsten in ganz Harnac.

Eingeteilt in die Verwaltungsbezirke Haselhaag, Waldstetten und Finsterau wird die Baronie heute zumindest nominell von Baron temporales Luc Antoine de l´Églantine zu Hartenstein geführt. Der Baron, ein patenter Magier aus einem nicht näher bekannten Land im Süden heiratete im Jahre 1008 HZR die verwitwete Baronin Laura von Weißenfels zu Hartenstein und überließ die Geschäfte und Verwaltung der Baronie seiner Frau. Als diese im Jahr darauf jedoch unter mysteriösen Umständen verschwand und schließlich für tot erklärt wurde, übernahm der Baron die Leitung von Weißenfels und entwickelte es, mit Hilfe seines Cousins Mercutio de la Rosa und dessen väterlichen Handelshauses, zu einem prosperierenden Schwerpunkt der harnacer Wirtschaft. Im Jahre 1010 HZR ehelichte der Baron die Tochter des Ritters Erlbrecht von Finsterau, Sophia. Diese führt seitdem die Geschäfte von Weißenfels in der, recht häufigen, Abwesenheit ihres Mannes.Da nur an den Rändern der Baronie Ackerbau betrieben werden kann und der Düsterwald ein riesiges Gebiet einnimmt, sind die meisten produzierten Waren waldbaulicher Natur. Zusätzlich zu Gütern wie Bauholz, Wildspezialitäten und Waldhonig hat in letzter Zeit die ungewöhnliche Produktion von hölzernen Schiffsbauteilen unter der Ägide des Handelshauses del la Rosa zugenommen.

Bekannte und erwähnenswerte Orte
Der Weltenturm: Der gewaltige steinerne Turm inmitten des Düsterwaldes ist das Harnacer Symbol, spielte er doch schon vor über 500 Jahre bei der Besiedlung der albyonischen Ebene und als Fluchroute während der Dämonenkriege eine bedeutende Rolle. Die langläufige wissenschaftliche Meinung geht davon aus, dass der Turm von der „alten Rasse“ errichtet wurde die auch die albyonische Ebene erschuf, denn die Kunst eine solches Gebäude ohne verbindenden Mörtel mit exakt geschliffenen Steinquadern zu errichten, sucht seinesgleichen.Die achteckige Grundfläche misst im Geviert etwas mehr als 30 mal 30 Schritt und wandelt sich mit zunehmender Höhe spiralförmig zu einem runden Turm. Die genaue Höhe des Bauwerkes konnte, trotz ausgiebiger Studien, bis heute nicht bestimmt werden, da die obersten Stockwerke jederzeit von einem dichten Nebel umgeben sind. An klaren Tagen wurden schon sichtbare Höhen von über 200 Schritt gemessen, an bewölkten kann es passieren, das der Turm kaum über die ihn umgebenden Baumkronen hinausragt. In seinem Inneren befindet sich, neben einer schier unendlichen Treppe, ein durch Levitationszauber betriebenes Aufzugssystem, welches von der albyonischen magischen Gilde zu Beginn der Rückeroberung Harnacs installiert wurde um Personen und Lasten schneller befördern zu können. Zwischen 110 und 150 Schritt Höhe befinden sich die Stützpunkte der albyonischen Luftflotte und der „Eingetragenen Gesellschaft der schnellen albyonische postalische Dienste“, kurz SAPD eGes. Die abenteuerlichen im Rahmen des Krieges installierten Konstruktionen, die die Außenseite des Turms ringförmig umschließen, bieten Platz für etwa 30 größere und kleinere Luftschiffe. Auf etwa 200 Schritt Höhe, rein theoretisch in der Spitze des Turms, befindet sich der Portalraum der Harnac mit dem Erdgeschoß der Fürstenburg im albyonischen Erg’Eren verbindet. Der in diesem Raum ständig wabernde violette Nebel ermöglicht den physischen Übergang auf die albyonische Ebene. Das große steinerne Rundbogen-Portal, welches erst im Jahre 1001 HZR zur besseren Orientierung inmitten des Nebels errichtet wurde, markiert nur den sog. Ereignishorizont. Alle wissenschaftlichen oder magischen Versuche den Weg durch den Nebel, und damit die Position der albyonischen Ebene zu bestimmen sind bis zum heutigen Tage gescheitert. Deswegen hat sich die langläufige Meinung, Albyon „schwebe“ irgendwo über dem Weltenturm, bei den Bewohnern Albyons und Harnacs durchgesetzt.

Brandfeld: Die Siedlung Brandfeld, welche direkt neben dem Weltenturm liegt, entstand ursprünglich aus einem reinen Militärlager der albyonischen Truppen in den Dämonenkriegen. Mit der über die Jahre gewachsenen Bedeutung als Knotenpunkt zwischen Harnac und Albyon siedelten sich hier nach und nach auch die Angehörigen der Soldaten sowie allerlei Kaufleute und das dazugehörige Transportgewerbe an. Neben den zwei Kompanien (etwa 200 Soldaten) der albyonischen Garde, die turnusmäßig ausgewechselt werden, leben in Brandfeld heute ungefähr 900 Menschen. Das einzig befestigte und zugleich markanteste Gebäude Brandfelds ist das steinerne Fort in dem die Soldaten untergebracht sind. Die restliche Siedlung besteht inzwischen größtenteils aus soliden Fachwerkbauten in rasterförmig angelegten Straßen. Grundrechtlich ist zu beachten, das Brandfeld, ebenso wie der Weltenturm, nicht der Baronie Weißenfels unterliegen, sondern zur Protektoratsverwaltung gehören. Theoretisch zumindest, im praktischen Alltag stört sich niemand an dieser Regelung.

Taverne „Zum fröhlichen Einhorn“: Das Gelände rund um die ehemalige Taverne, etwa eine Wegstunde südlich des Weltenturms war Schauplatz der beiden im Jahre 1001 HZR geschlagenen „Schlachten am Turm“, die die Rückeroberung Harnacs und schließlich das Ende der Dämonenkriege einläuteten. Wie durch ein Wunder hielt hier der Meister Claudius dé Angelico, der inzwischen verstorbene spätere Leiter der albyonischen arkanen Gilde, über zwei Jahre einen Schutzschirm gegen die dunklen Horden aufrecht und ermöglichte den Besitzern Alfried und Danka Markhardt sowie ihren Bediensteten das Überleben. Auf dem heute weitläufig ausgebauten Areal finden sich neben der eigentlichen Wegherberge mit 45 Betten, Badehaus und einer Pferdewechselstation auch das Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges und ein Schrein der Göttin Nestra. Die geschäftstüchtigen Wirtsleute Markhardt, welche inzwischen über einhundert Tavernen mit gleichem Namen in ganz Albyon und Harnac betreiben, leiten auch heute noch ihr Unternehmen von hier.

Heiliger Hain der Vitallia: Im nördlichen Düsterwald, etwas mehr als zwei Wegstunden vom Weltenturm entfernt befindet sich inmitten des Waldes eine circa 200 Schritt durchmessende Lichtung, Gras bewachsen und von unzähligen Blumen übersät. Angeblich soll hier eine von Dornen- und Schlingpflanzen überwucherte Kuppel eine Herde Einhörner vor dämonoiden Wesen geschützt haben. Der Ort, schon vor den Dämonenkriegen als Versammlungsort einiger Druiden bekannt, erlangte bis heute einen so großen Bekanntheitsgrad, das die Vitalliakirche ihn heute als „Heiligen Hain“ führt, obwohl er streng genommen gar kein Hain ist. Durch die vielen Pilger in den letzten Jahren und mit Unterstützung der Kirche wurden ein kleiner Schreinund ein geräumiges Blockhaus für Reisende errichtet um die Geschichte dieses Ortes auch weiterhin präsent zu halten.

Hartenstein: Die Burg auf dem steil abfallenden Kalkfelsen, der angeblich der gesamten Baronie seinen Namen gab, am Ostrand des Düsterwaldes hat seit ihrer Erbauung schon viele Besitzer gesehen. Die Herren von Hartenstein, Barone von Weißenfels im alten Königreich Harnac, errichteten hier im Jahre 774 HZR eine großzügig angelegte steinerne Befestigungsanlage als Ersatz für die ungezählten Vorgängerbauten aus Holz. Ursprünglich als Zollstation für die große Handelsstraße, welche damals noch am Südrand des Düsterwaldes entlang nach Leinach führte, errichtet, entwickelte sich Hartenstein schnell zum Hauptort der alten Baronie. Durch komplizierte Familienverhältnisse wechselten Baronie und/oder Burg in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer bis Baron Goderic II. von Hartenstein in den 980er Jahren als erster Adeliger Harnacs offen Position gegen den zunehmend wahnsinniger werdenden König Hindan XIII. bezog. Als Landesverräter im Schnellverfahren verurteilt war dann der Baron auch einer der ersten, der gezwungenermaßen durch die Höllenportale ging. Ihm nach folgten mindestens zwanzig weitere Barone in schneller Folge, da sie, zumeist recht
zeitnah, auch sein Schicksal teilten. Im Jahre 996 wurde schließlich die, am Fuße des Burgfelsens gelegene, Kleinstadt Hartenstein mit seinen gesamten verbliebenen Bewohnern durch dunkle Horden dem Erdboden gleichgemacht. Auf der Burg herrscht zu diesem Zeitpunkt aber schon seit Jahren kein Baron mehr und das verlassene Gemäuer versank, von den folgenden Kriegsjahren erstaunlicherweise fast völlig unberührt, in einem Winterschlaf. 1006 HZR kauft der ehemalige Söldnerhauptmann Konrad Hirschbach die leerstehende Burg von der Protektoratsverwaltung, zieht mit seiner Frau Laura und einigen Getreuen ein und beginnt mit Instandsetzungsarbeiten. Später im Jahr stirbt Hauptmann Hirschbach jedoch unter ungeklärten Umständen und seine Frau und Erbin Laura Hirschbach, Tochter eines Kaufmanns, wird Mitte des Jahres 1007 HZR mit der Baronswürde von Weißenfels geehrt. Gerüchte, die besagen sie hätte sich die Titelvergabe durch eine kurzfristige Liaison mit einem hochgestellten Beamten der Protektoratsverwaltung „erschlafen“, können nicht gänzlich ausgeräumt werden. 1008 HZR heiratet die, nunmehr als Laura von Weißenfels zu Hartenstein bekannte Baronin den Herrn Luc
Antoine de l´Églantine, verschwindet allerdings im folgenden Jahr unter mysteriösen Umständen und wird schließlich für tot erklärt. Baron temporales de l´Églantine Weißenfels zu Hartenstein wiederum lernt zur Zeit der Erinnerns 1009 HZR die Tochter des Ritters von Finsterau, Sophia kennen und heiratet diese im Jahre 1010 HZR. Seitdem herrscht in Weißenfels wieder eine Harnacerin alten Geschlechts und die Jahre ohne Herrschaftswechsel haben nicht nur der Burg, sondern auch der Stadt Hartenstein sichtlich gut getan. Heute leben wieder über 3500 Menschen innerhalb ihrer Mauern und der Hauptort von Weißenfels wächst immer noch langsam aber stetig.

Schlachtfeld am „weißen Stein“: Das einige wenige Gehminuten südlich der Burg Hartenstein gelegene Waldgebiet diente angeblich während den mythischen Konflikten die zur ersten Vereinigung Harnacs unter dem Stammesführer der Norava führten als Schlachtfeld in der finalen Konfrontation. Nach heutiger Geschichtsschreibung gilt eben dieses als der Beginn der Harnacer Zeitrechnung. Im Verlauf von über eintausend Jahren haben sich die Bäume des Düsterwaldes naturgemäß die komplette Fläche zurückgeholt, so dass heute nur noch ein kleiner, Moos bewachsener Monolith mit dem Symbol eines Einhorns den Standort markiert.

Erlgrund in der Finsterau: Das große Dorf Erlgrund mit seinen über 900 Bewohnern kann stellvertretend für viele neuen Siedlungen in Weißenfels und ganz Harnac gelten. Ob nun durch Wiederaufbau der in den Kriegen zerstörten Ortschaften oder als Neugründung, der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre und das damit verbundene stetige Bevölkerungswachstum sorgen dafür, das nach und nach auch die entlegensten Landstriche in Harnac wieder urbar gemacht werden. Erlgrund war schon immer ein lokal bedeutender Umschlagsplatz für die typischen Waren aus Weißenfels, gerade auch im Handel mit den nördlich angrenzenden Gebieten des Herzogtums Aredroque, und schickt sich an diese Position auch in der Zukunft auszubauen.

Erprobungsstelle Rechling: Auf den Ruinen des ehemaligen Fischerdorfes Rechling, am gleichnamigen See gelegen, wurde um 1006 HZR mit den Bauarbeiten zu einem der ehrgeizigsten Militärprojekte im Rahmen des REPAH 5-1 begonnen. Da die albyonische Luftflotte zu diesem Zeitpunkt zum allergrößten Teil aus ausländischen Schiffstypen bestand, nicht verwunderlich wenn man bedenkt das Harnac als Binnenland keinen direkten Zugang zu einem Ozean besitzt, entschloss sich die militärische Führung ein eigenes Schiffbauprogramm mit besonderem Augenmerk auf Lufttauglichkeit aufzulegen. Das ehemalige Rechling bot sich hierfür mit seinem natürlichen Hafen nahezu perfekt an. In Rekordzeit, und mit Hilfe großzügig bezahlter ausländischer Fachkräfte, entstand neben Werftanlagen, Werkstätten und Unterkünften auch das Martín-Alonso-Pinzón-Zentrum zur Ausbildung in See- und Luftfahrt. Schon 1008 HZR konnte die Marianna, benannt nach der Gemahlin des albyonischen Fürsten, vom Stapel gelassen werden. Imposante 22 Schritt lang und sieben Schritt breit, absolvierte die Drei-Mast-Karavelle mit einem maritimen Tiefgang von 1,8 Schritt und einer Verdrängung von 126 Tonnen Wasser schon bald erste ungetakelte Strömungsfahrten im Rechlinger Teich. Durch die anschließende Erprobung verschiedener Segeltypen konnte die Höhe des Bugkastells auf 1,5 Schritt und die des Achterdecks auf 1,3 Schritt final angepasst werden. Als schließlich die Erprobungsphase Luft ebenfalls zur vollen Zufriedenheit der Verantwortlichen abgeschlossen war, konnte die Marianna am 16. Retil 1009 HZR, im Beisein Aryk I. von Hammerhal, als Namengebendes Typschiff ihrer Klasse offiziell in Dienst gestellt werden. Seit diesem denkwürdigen Tag hat sich in Rechling viel getan, denn das ursprünglich rein militärisch genutzte Areal wurde schrittweise für zivile Projekte und Unternehmen geöffnet. Heute leben gut 700 Menschen in der Siedlung Rechling von den Entwicklungen auf und über dem Rechlinger Teich.

Ringfurt / Haselhaag: Das kleine Dorf Ringfurt am Nordrand des als Haselhaag bekannten Forstgebietes diente schon vor langer Zeit als kulturelle Nahtstelle zwischen den elfischen und menschlichen Bewohnern Harnacs und ist es heutzutage wieder. Im Zuge der Dämonenkriege wurde das Haag zwar von großen Teilen der elfischen Bevölkerung verlassen und Ringfurt niedergebrannt, der Wald an sich überstand alles aber nahezu unberührt. Diese Begebenheit, von manchen als machtvolle Demonstration für die Widerstandsfähigkeit und Stärke der Natur betrachtet, mag dazu geführt haben, dass sich nach Ende der Kampfhandlungen hier wieder viele Elfen ansiedelten und Ringfurt heute bei seinen etwa 500 Bewohnern einen elfischen Bevölkerungsanteil von über 60% aufweist. Bekannteste Institution des Ortes ist die Bardenschule unter der Leitung der Halbelfin Aniriel Larianye Minarfir in der den 80 Schülern nicht nur das Musizieren sondern auch Poesie und Malerei näher gebracht werden. Die, in den letzten Jahren sporadisch erforschten, magischen Phänomene des Haags haben, der örtlichen Bevölkerung nach, nicht nur dafür gesorgt das die Natur hier unberührt überlebte, sondern auch das am Ufer des Hollensteiner Meeres eine streng abgeschirmte militärische Forschungsstation errichtet wurde. Ob hier nun neuartige Kampfzauber oder moderne mechanische Gerätschaften entwickelt werden, alles unterliegt höchster Geheimhaltung.

Von-Altweiler-Kanal: Der Kanalbau, begonnen in Jahre 1011 HZR ist das erste wasserbauliche Großprojekt in Harnac. Während neue Straßenverbindungen an Land auch immer einen gewissen Anteil militärischer Nutzung beinhalten, und somit hohe Priorität erhielten, wurden die Flüsse Harnacs aus logistischer Sicht traditionell stiefmütterlich behandelt. Erst in den letzten Jahren wurde man sich der Bedeutung der Wasserstraßen für Handel und Verkehr bewusst. Der Kanal, als Prestigeprojekt des Barons temporales de l´Églantine Weißenfels zu Hartenstein geplant, soll nun durch die Verbindung zweier Altarme der Flüsse Raune und Waller die Transportzeiten zwischen Leinach und dem Osten Harnacs deutlich verkürzen. Obwohl harnacer Baumeister auch hier wieder technisches Neuland betreten schreitet der Bau des Von-Altweiler-Kanals, benannt nach einem Helden der Dämonenkriege, gut voran und soll im Jahre 1014 HZR durch vier Schleusen fertig gestellt werden.

 


Baronie Eckwalde

<<Tag 74. Probegrabung Fördert Hämatit in großem Bandlager zu tage. Wusste ich es doch! Olifanten wohnen schließlich immer im Olifantenland.

Thrinain Feuerschläger, Fundbuch eines Prospektors

Die Baronie Eckwalde bildet die nord-östliche Ecke des Protektorats Harnac mit Außengrenzen an Aredroque und Kaotien und den dazugehörigen großen Handelsstraßen. Zentral in Eckwalde liegt, auf den Resten älterer Siedlungen, die Protektoratshauptstadt Thamberg, Zentrum der harnacer Verwaltung und gleichzeitig, mit etwa 6000 Bewohnern, auch größte Stadt. Begrenzt wird Eckwalde im Nordwesten vom fruchtbaren Tal der Waller, beziehungsweise dem Rand des Düsterwaldes, und im Süden durch die Steinloher Hügel. Das nordöstliche Gebiet Eckwaldes bedecken die Gipfel des Bärenkamms, eines mineralienreichen Mittelgebirges mit Höhen bis zu 1200 Schritt. Aktuelle geologische Forschungen gehen davon aus, dass das Gerfelder Becken im Süd-Osten Eckwaldes ebenfalls einst ein Flusstal war, dessen Gewässer aber im Laufe der Jahrhunderte verschwanden. Somit bleibt die Waller der einzige große Fluss Eckwaldes. Die Baronie ist im Moment eingeteilt in die Verwaltungsbezirke Vockerode, Gerfelden und Wallergau. Der erst im Jahre 1010 HZR ernannte Baron Konrad von Schwarzeschingen lebt
zusammen mit Baronin Franka von Schwarzeschingen in einem Stadtpalais in Thamberg, da das gehobene Stadtleben ihm besser bekommt, als das beschauliche ländliche Treiben im eigentlichen Hauptort der Baronie, Schwarzeschingen.

Die nach den Dämonenkriegen umgehend wieder hergestellten landwirtschaftlichen Strukturen, vor allem im Wallergau und dem Gerfelder Becken, sogen heute dafür, das Eckwalde nicht nur seine Bewohner ausreichend ernähren kann, sondern auch das große Mengen Lebensmittel in das übrige Harnac geliefert werden. Besonders lobende Erwähnung, zum Beispiel auf der jährlich stattfindenden Messe HAMETH (HandwerksMesseThamberg), finden hierbei regelmäßig die hervorragenden Eckstetter Bierschinken g.M. oder die leckeren Kuchenspezialitäten der Groß- und Feinbäckerei Audermann aus Edried.

Die erzreichen Minen des Bärenkamms bilden das zweite wirtschaftliche Standbein der Baronie. Wurden in den ersten Jahren des Wiederaufbaus fast alle ehernen Waren aus Albyon bezogen, so ist es der Prospektorengilde zu verdanken, dass heutzutage wieder hervorragende eckwälder Metallwaren, von Schaufel bis Rüstung, vorrangig in der Grenzstadt Eisenstein produziert werden.

Bekannte und erwähnenswerte Orte:
· Thamberg: Obwohl die harnacer Protektoratshauptstadt Thamberg rein rechtlich gar nicht zur Baronie Eckwalde gehört, sondern wie die Siedlung Brandfeld und der Weltenturm direkt der Protektoratsverwaltung unterstehen, ist sie doch die einwohnerstärkste Siedlung Harnacs und soll hier aufgeführt werden. Gelegen auf und am Thamisberger Hügel, einer bis zu 220 Schritt hohen spornartigen Landschaftserhebung, gründet sich die heutige Stadt auf den Resten zweier weit älterer Siedlungen, welche zum Teil schon Jahre vor den Dämonenkriegen zerstört wurden. Überlieferte Geschichten berichten von den ersten Herren zu Thamisberg, die von einer mächtigen Hexe aus dem nahen Vockeroder Forst verflucht wurden. In ihrer kleinen Stadt solle fortan kein Kind mehr geboren werden lautete die Warnung, die sich im Verlauf der Zeit auch bewahrheiten sollte. Die daraus folgende logische Konsequenz des Adelsgeschlechts war es Stadt und Burg aufzugeben und als Steinbruch für die umliegenden Dörfer zu nutzen. Das zweite Thamisberg, als Weg- und Zollstation am Knotenpunkt der beiden großen Handelswege errichtet, bestand allerdings noch kürzer. Im Zuge der Verwahrlosung des Königreichs unter Hindan XIII., wurde die Siedlung 962 HZR von desertierten Soldaten und Räubergesindel eingenommen und gebrandschatzt. Anfang des Jahres 1001 HZR schließlich begann die neugegründete harnacer Protektoratsverwaltung unter Federführung Magister Rolan Illings, eines lang gedienten Beamten des G.A.D.K., mit der Suche nach geeigneten Bauplätzen für die
neue Hauptstadt des Protektorats Harnac. Der Rest ist Geschichte, aber es darf weiterhin spekuliert werden ob Illing bei der Namenswahl mit Absicht zwei Buchstaben wegließ, etwa aus Aberglauben, oder ob es sich schlichtweg um einen Rechtschreibfehler handelte. Heute leben wieder über 6000 Bewohner innerhalb der Stadtmauern und neben der allgegenwärtigen Verwaltung und den Hauptquartieren verschiedenster Institutionen und Gruppen haben sich einige der besten Handwerker des Landes hier angesiedelt. Neben rein wirtschaftlichen Interessen werden aber auch die Felder Wissenschaft und Kultur durch die Bürger Thambergs vorbildlich vorangetrieben. Die Schule für Wirtschaft und Technik, das Institut für magischhistorische Forschungen der QMA oder, das im Jahre 1010 HZR fertig gestellte, Polagio-Theater dienen hier nur als einige Beispiele von vielen.

· Bastei Lensberg: Die wieder aufgebaute Hauptbastei der Sarasenakirche liegt etwa eine Wegstunde westlich der von Thamberg. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde die völlig zerstörte Anlage nach, noch erhaltenen, alten Plänen und Zeichnungen wiedererrichtet. Die für etwa einhundert permanente Bewohner ausgelegte wehrhafte Festung dient heute nicht nur dem Hochmeister der Sarasenakirche und wechselweise einem seiner Stellvertreter als Heimstatt, sondern beherbergt auch das Kirchenarchiv sowie einen großen Teil der Kirchenverwaltung. In unregelmäßigen Abständen finden hier diverse Kirchenfeste, teils für ganz Harnac, statt. Das nahe der Bastei gelegene gleichnamige Dorf gehört zwar nicht zur Kirche, hat sich aber in wirtschaftlichen Belangen voll und ganz auf deren Bedürfnisse ausgerichtet.

· Barukthel: „Das beste Bier der Welt!“, mit keinem geringeren Motto wirbt die Brauerei Kilin aus Barukthel heute um ihre Kundschaft. Als Fundis Kilin, eine zwergische Braumeisterin im Jahre 1006 HZR nach Harnac kam, angeblich wegen einer Familienstreitigkeit in der heimischen Silberhalle Albyons, ließ sie sich im südlichen Eckwalde nieder und gründete ihre eigene Brauerei. Umgehend entstanden eine wirtschaftliche Kooperation mit den örtlichen Getreidebauern, die seitdem auch besondere Getreidesorten anbauen, und der Brauerei-Kilin-Hopfengarten, wo Fundis Kilin seitdem ihre ganz persönlichen Sorten züchtet. Einen Ort Barukthel gibt es, im eigentlichen Sinne, nicht, denn der Name bezeichnet ausschließlich die Brauerei, das angeschlossene Gasthaus und diverse Wirtschaftsgebäude. Hier werden heute die wohlschmeckenden Sorten Kilins Kellerbier, ein doppelt gemalztes süffiges Dunkelbier, Baruktheler Landbier, ein herbes helles Gebrauchsbier und Weizenbräu, eine trübe Spezialität die statt Gerste Weizen als Maischgrundlage verwendet, produziert. Zu besonderen Gelegenheiten experimentieren die inzwischen 23 zwergischen Brauer auch mit Bockbieren
oder hopfenlos gebrauten Frucht- und Kräutervarianten.

· Edried: Aus der ehemaligen Holzfällersiedlung, mit seinen heute etwa 1150 Bewohnern, entwickelte sich das Großdorf Edried, zentral im Gerfelder Becken gelegen, im Laufe des letzten Jahrzehnts zu einem Zentrum für die weitere Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Prägten um 1003 HZR noch unzählige Holz-Fuhrwerke das Bild der Siedlung, so sind es heute die zwanzig Kornmühlen die, angetrieben durch Bäche aus den Steinloher Hügeln im Süden, nahezu ausnahmslos die örtliche Großbäckerei beliefern. Aber auch viele andere Arten von Lebensmitteln, nicht zuletzt der Alte Edrieder, eine würzige Käsesorte, werden hier en gros produziert. In letzter Zeit mehren sich allerdings die Stimmen der, zumeist elfischen, Bewohner des nahen Waldes gegen den großflächigen Holzeinschlag. Da aber besonders die ansässige Backwarenindustrie nicht ohne eine Versorgung mit geeignetem Brennmaterial auskommen kann, bemüht sich man sich in Edried bereits um eine magisch-mechanische Lösung des Problems. An diesem besonderen Beispiel zeigt sich, dass wirtschaftlicher Fortschritt in Harnac nicht zwingend mit Raubbau an der Natur erkauft werden muss, auch wenn Abgesandte der Vitallia-Kirche dies des Öfteren in ganz Harnac anmahnen.

· Schwarzeschingen: Der eigentlich Hauptort der Baronie Eckwalde präsentiert sich dem heutigen Betrachter als recht verschlafenes Nest. Entgegen der andernorts vielfach noch zu sehenden Aufbruchstimmung scheinen die gut 400 Bewohner der Stadt Schwarzeschingen immer ein bisschen der Vergangenheit hinterher zu trauern. Die in den Dämonenkriegen kaum verwüstete Siedlung kann, als Stammsitz des Adelsgeschlechts von Vockerode, tatsächlich auf eine glorreiche Vergangenheit zurückblicken. Waren es nicht Truppen unter Radulf von Vockerode, die vor über einhundert Jahren die Horden eines Dämonenfürsten in der Schlacht im Bocksthal vernichtend schlugen? Fand nicht auf der Burg Ingenhûs das Ritual zur Bannung des selbigen unter der Leitung von Nenlenna von Vockerode statt? Ja, das alles ist richtig, aber leider auch lange vergangen. Seit die Protektoratsverwaltung 1004 HZR die Zollstation, und damit auch einen wichtigen Umschlagsplatz für Waren, näher an die Grenze nach Kaotien verlegt hat, ist das einstmals so wichtige Transportgewerbe praktisch nicht mehr existent. Viele Einwohner, besonders Neu-Harnacer ohne örtliche Wurzeln, suchen heute ihr Glück in den Minenbetrieben des Bärenkamms, während einige wenige ihr Auskommen auf den Gütern des Barons finden. Baron Konrad von Schwarzeschingen ist denn auch nur im Hochsommer auf dem Stammsitz seiner Familie anzutreffen, wenn ihm die Luft in Thamberg zu stickig wird. Vorrangig auf Betreiben seiner Frau hat der Baron allerdings vor kurzem einen Plan zur Kräftigung der Schwarzeschinger Belange bekanntgegeben, leider ohne konkrete Projekte zu erläutern. Die Bevölkerung jedenfalls ist gespannt. Man wird sehen.

· Burg Ingenhûs: Da der Vitallia-Orden an den meisten zivilen Projekten des Wiederaufbaus nach den Dämonenkriegen beteiligt ist, war es nicht verwunderlich, dass dieser sich im Jahre 1004 HZR die Ruine Ingenhûs, eine im Krieg verlassene Burg im gebirgigen Grenzgebiet der Baronie, von der Protektorats-Verwaltung Harnacs zur Pacht erbat um dort ein kleines Kloster Albyon und Harnac aufzubauen. Als Stützpunkt des Ordens und zur Hilfe und Unterstützung der, sich langsam auch wieder in der Wildnis ansiedelnden, Menschen errichtet, kommt seitdem eine kleine Gruppe Ordensbrüder und -schwestern dieser Aufgabe mit Hingabe nach. Obwohl sich heutzutage die Wildnis des Bärenkamms ein bisschen weniger wild darstellt, unterhält der Orden in der wieder wehrhaften Anlage weiterhin einen häufig frequentierten Außenposten. Die meisten, der in Ingenhûs ansässigen Ordensangehörigen befinden sich allerdings zumeist auf Wanderung durch die ihnen anvertrauten Gebiete um den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein Ereignis aus jüngster Vergangenheit hat Ingenhûs allerdings wieder ein bisschen mehr Aufmerksamkeit seitens der Obrigkeit beschert. Im Jahre 1011 HZR soll eine Gruppe Reisender ein noch namenloses Übel aus den alten Gewölben unter der Burg befreit haben. Wenn sich die, vormals nur einem kleinen Kreis innerhalb der Protektoratsregierung bekannten, Befürchtungen der Gelehrten Myrica Flößler allerdings bewahrheiten sollten und es sich bei dem „Übel“ um den vor einem Jahrhundert gebannten Dämonenfürsten handelt, steht nicht nur Eckwalde eine große Aufgabe bevor. Eine Kommission aus weltlichen und kirchlichen Experten untersucht zurzeit die Vorfälle auf Ingenhûs.

· Stützpunkt „Glück auf!“: Als am Ende der Dämonenkriege um das Jahr 1001 HZR die ersten einzelnen Prospektoren in die wilden Hügel des Bärenkammes zogen um nach neuen Erzvorkommen, vor allem für den geplanten Wiederaufbau, zu suchen, konnte sich noch niemand ausmalen, wie reichhaltig die Lagerstätten wirklich sein würden. Das erste große Eisenerz-Vorkommen wurde 1003 HZR etwa einen Schritt unter der Erdoberfläche entdeckt und wird heute noch im Tagebau ausgebeutet. Natürlich ziehen solch reiche Bodenschatz-Funde, neben Eisenerz auch goldhaltige Gesteine, schnell weitere Menschen an, und so entwickelte sich aus einem einfachen Zeltlager das heutige „Glück auf!“ mit festen Holzhäusern und allerlei Annehmlichkeiten für die Arbeiter. Neben diversen einfachen Tavernen und anderen „Freudenhäusern“ befindet sich hier auch eine Außenstelle der Prospektorengilde, deren Mitglieder weiterhin zu den Gipfeln des Bärenkamms aufbrechen um neue Vorkommen zu erschließen. Etwa 600 Männer und Frauen bewohnen zurzeit den Stützpunkt, wobei nur zwei Drittel wirklich im Bergbau tätig sind. Etwa 300 weitere sind in kleineren Lagern an anderen Stellen des Gebirges mit der Förderung metallhaltiger Erze beschäftigt.

· Eisenstein: Die Grenzstadt im Norden Eckwaldes wurde in den Dämonenkriegen vollständig zerstört und im Zuge des Wiederaufbaus vornehmlich als Zollstation am nördlichen Ende der großen „Handelsstraße No.2“ erneut errichtet. Da diese in Aredroque, und somit Richtung Sturmsee, unter anderem Namen weiter verläuft, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Fernhändler und andere Transporteure in Eisenstein ansiedelten. Als dann aber um 1004 HZR die Erzvorkommen des Bärenkamms immer bedeutender wurden, erkannte die Protektoratsverwaltung die Gelegenheit und erarbeitete einen großangelegten Plan zur Ansiedlung metallverarbeitender Industrie und qualifizierter Fachhandwerker. Heute leben in Eisenstein ungefähr 1600 Bewohner, und nur noch etwas mehr als die Hälfte von ihnen sind Menschen. Das Versprechen von gut bezahltem Metallhandwerk lockte viele Zwerge nach Eisenstein. Ob sie nun direkt aus Albyon kamen, oder in den Anrainerstaaten der Mittellande
rekrutiert wurden, heute sind sie alle Harnacer und stellen die Mehrheit im Magistrat der Stadt. Darum war es auch nicht verwunderlich, dass im Jahre 1008 HZR hier der Beschluss ratifiziert wurde, die Stadt umzubenennen. Aus Grünfelden wurde Eisenstein, denn grün ist es hier höchstens noch am Stadtrand und -felden klang viel zu sehr nach Landwirtschaft.

· Wilhûs: Bedeutung erlangte das ungefähr 500 Einwohner zählende Dorf im letzten Jahrzehnt vorrangig als landwirtschaftliches Mittelzentrum. Hier wurden Weizen, Gerste und andere Feldfrüchte aus dem Wallergau auf dem Markt gehandelt und weiter Richtung Thamberg oder Hartenstein transportiert. Soweit eigentlich weniger interessant. Ins Licht der Öffentlichkeit trat Wilhûs erst im Jahre 1008 HZR als man hier ein sogenanntes Schiffshebewerk erbaute. Diese, größtenteils mechanische und vom Fluss selbst angetriebene, Konstruktion erlaubte nun die nahezu ungehinderte Schifffahrt auf der gesamten Länge der Waller. Die natürlichen Felsterrassen, über die der Fluss hier sprudelt haben in der letzten Zeit aber noch für eine andere Beschäftigung gesorgt. Abgespannte Bürger aus Thamberg verbringen hier, in neu errichteten Freizeit-Lauben, die warmen Sommerwochen. Im Zuge dieser Entwicklung wurde, an einer besonders großen Felsterrasse, im Jahr 1012 HZR hier das erste harnacer Schwimmbad eröffnet.

· Eckstett: Ebenso, wie Edried im Süden, entwickelte sich das kleine Dorf im Eckstetter Zipfel über die Jahre von einer Holzfällersiedlung hin zum Zentrum landwirtschaftlicher Produktion mit heute ungefähr 850 Einwohnern. Da der Boden hier aber weniger für Feldfrüchte geeignet ist, spezialisierte man sich auf die Weidewirtschaft und die Verarbeitung von Rindern und Schweinen. Die angrenzenden Gebiete des Düsterwaldes eignen sich besonders für die Eichelmast der Schweine im Herbst. Jüngste Untersuchungen des Kollegiums für Heilkunst und Landwirtschaft im Haus der Vitallia in Leinach bestätigen das eine Mast ausschließlich in Buchenbeständen ein weiches Schweinefett mit etwas tranigem Geschmack hervorbringt, die Mast in Eichenwälder hingegen ein eher derbes Fett. Die sogenannte Schmalzweide, eine Weide in einem etwa gleichteiligen Bestand mit Buchen und Eichen ergab nach Meinung der Experten den besten Schinken. Eine Tatsache die die örtlichen Bauern schon seit Jahren kennen. Nicht umsonst genießt der Eckstetter Bierschinken g.M. einen landesweit hervorragenden Ruf. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind natürlich auch die Flegelzipfel, eine geräucherte und luftgetrocknete Rohwurst, die angeblich hier „erfunden“ wurde. Als beliebter Proviant bei Feldarbeit oder Wanderern enthalten sie Rind- und Schweinefleisch, Speck, Schwarte, Salz,
Rotwein, Zucker und Gewürze und die namentliche Reminiszenz ist nicht umsonst so gewählt. Die paarweise zusammenhängenden Würste erinnern tatsächlich ein bisschen an den Kopf eines Dreschflegels, den Getreidebauern zum trennen von Korn und Ähre nutzen, der Wortteil Zipfel ist dabei der geografischen Lage geschuldet. Ob die Eckstetter nun, wie manche behaupten, damit andeuten wollen das ihre Wurst die ganze restliche Landwirtschaft in ganz Harnac antreibt oder schlichtweg den Gipfel dieses Wirtschaftszweiges darstellt, bleibt dahingestellt.

 


Baronie Hollenstein

In uralter Zeit, im Steinloher Berg, lebt ein Drach, gar mächtig und reich. Das Untier vergangen, der Schatz ward noch dort, gefunden einst für deren tags.
Der Drach vom hohlen Fels, Überlieferte Sage

Die Baronie Hollenstein im süd-östlichen Harnac grenzt im Osten an Kaotien, im Süden an Taëria, mit welchem sie auch durch den Südteil der großen Handelsstraße No.2 verbunden ist. Das Westufer des Hollensteiner Meeres begrenzt die Baronie in Richtung Markbach ab, während die Nordgrenze, ebenfalls am Ufer, eine Verbindung gen Weißenfels schafft. Fast die komplette westliche Hälfte der Baronie ist von der imposanten Wasserfläche des Hollensteiner Meeres bedeckt. Das riesige Inlandgewässer, benannt nach einer alten Adelsfamilie deren zerstörte Stammburg man noch immer am Westufer besichtigen kann, besteht aus Süßwasser, ist also kein Meer im eigentlichen Sinne, sondern nur ein riesiger See. Die westliche Hälfte Hollensteins bedecken die sanft geschwungenen und zumeist baumlosen Kuppen des Steinloher Hügellandes mit seinen vielen kleinen Dörfern. Die beiden Großlandschaften werden räumlich durch den breiten Streifen einer fruchtbaren Uferebene getrennt, durch die auch die oben genannte Handelsstraße verläuft. Eingeteilt in die Verwaltungsbezirke Steinloher Hügelland, Querstade und Enmarsch mit dem, etwa 2500 Seelen zählenden, Munden als Hauptort wird die Baronie heute geleitet von OVR Berron von Sembryhl (Oberverwaltungsrat erster Klasse), einem hochstehenden Beamten der harnacer Protektoratsverwaltung. Das Geschlecht derer vom Hollenstein, vormals Barone im alten Königreich Harnac, wurde in den Dämonenkriegen vollständig ausgelöscht. Die letzte Vertreterin der, in der Rangfolge anschließenden Ritter von Steinlohe, die Dame Usia, verstarb kinderlos und hoch betagt im Jahre 1009 HZR. Und da leider auch in den Steinloher Seitenlinien, Aden-Veghel und Boekel zu Leerbek, keine qualifizierte Person zu finden war, entschloß sich die
Protektoratsverwaltung die erfolgreiche Wiederaufbauarbeit Berron von Sembryhls zu würdigen und ihn im Amt zu belassen, bis ein passender harnacer Vertreter gefunden wird. Hollenstein kann sich heute, nach Restrukturierung und Wiederaufbau auf zwei große wirtschaftliche Standbeine stützen. Zum einen ist das die Schafzucht und alle dem nachfolgenden Gewerbe die vorrangig in den Steinloher Hügeln betrieben wird. Unzählige kleine und mittlere Herden versorgen Woll- und Kleidungsproduktionen und diverse Käsereien, die in den vielen kleinen Ortschaften der Hügel beheimatet sind.
Zum anderen ist es der Fischreichtum des Hollensteiner Meeres. Hier betreiben die Anlieger neben traditionellem Fischfang inzwischen auch, in einigen geschützten Buchten, Zuchtprojekte für
besondere Speisefische.
In wirtschaftlichem Zusammenhang erwähnenswert, wenn auch eher minderwichtig, ist natürlich auch der Steinsalz- und Kupferbergbau in den Hügeln und die Reetindustrie in der Enmarsch.

Bekannte und erwähnenswerte Orte:
· Munden: Der Hauptort der Baronie Hollenstein, etwas 2500 Einwohner stark, liegt am Ostufer des Meeres und ist zugleich sein größter Hafen. Die Stadt selbst wurde um 800 HZR von den Herren vom Hollenstein gegründet und überstand, zumindest in baulicher Substanz, die Dämonenkriege mit mäßigen Schäden. Viel ist gerätselt worden, warum sich der Baron damals entschloss die größte Siedlung der Baronie am gegenüberliegenden Ufer des Meeres vom Reißbrett aus neu zu errichten und nicht etwa das ehemals westlich der Feste liegende Dorf weiter auszubauen. Ein alter Vertrag, von einem Schreiber in den Gewölben der Atron- Bibliothek vor nicht allzu langer Zeit entdeckt, weist auf einen wirklich profanen Grund hin. Anscheinend waren die Herren vom Hollenstein um 740 HZR in akuter Geldnot und sahen sich gezwungen einen großen Teil ihrer Besitzungen am Westufer an einen Ritter im heutigen Markbach zu verkaufen. Für den geplanten Ausbau war schlichtweg kein Platz mehr vorhanden. Das, Jahre später errichtete, Munden lässt aber auf eine Erholung in finanzieller Sicht schließen, denn etwa zwei Drittel der Siedlung sind auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel errichtet, der hervorragenden Schutz vor den periodisch auftretenden Überschwemmungen des Hollensteiner Meeres bietet. In der sogenannten Oberstadt leben heut zu tage dann auch die wohlhabenden Bürger und Handwerksmeister, während sich in der, ungefähr neun Schritt tiefer liegenden, Unterstadt die einfachen Häuser von Fischern und Hafenarbeitern befinden. Wichtigste Einnahmequelle von Munden ist, neben Hafen und Markt, die Fischbeinschnitzerei.

· Rittergut Steinlohe: Das in einem weitläufigen Hochtal nahe der großen Handelsstraße No.2 gelegene Steinlohe ist so etwas wie das inoffizielle Zentrum des gleichnamigen Hügellandes und kann stellvertretend für einige andere Dörfer gelten. Da die natürlichen Gegebenheiten des Landstrichs die Ansiedlung in größeren Dörfern schwierig machen und Verkehrsverbindungen allenfalls aus kleineren Karrenwegen bestehen, bringen die Bewohner des Hügellandes hier ihre Waren zusammen um sie auf dem Markt in Munden zu verkaufen. Auf dem Gut selbst leben heute etwa 50 Personen von Landwirtschaft, Transportwesen und einer kleinen Pferdezucht. Die Burg Hohlenfels derer von Steinlohe, die der Region ihren Namen gaben, liegt oberhalb des eigentlichen Hofes auf einem hohen Kalkfelsen und war, ebenso wie das Gut, lange Jahre Zankapfel in einem aufsehenerregenden Rechtsstreit vor dem Protektoratsgericht in Thamberg. Die letzte Vertreterin des Geschlechts, die Dame Usia von Steinlohe, verstarb kinderlos im Jahre 1009 HZR. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ritter Frederic von Steinlohe hatte sie allerdings schon Jahre vorher Beora von Brenken-Veghel, eine Hauptfrau in der harnacer Protektoratsgarde und beider Lieblingsnichte, zur Erbin von Steinlohe bestimmt. Genannte Hauptfrau starb nun aber eine Woche vor ihrer Tante, in treuester Pflichterfüllung, während einer Routine-Patrouille im Kampf gegen eine Bande von Wegelagerern im Düsterwald. Somit fiel das Erbrecht nun wieder den, eigentlich übergangenen, Seitenlinien des Hauses Steinlohe zu. Die Familien von Aden-Veghel, Verwandte Usias, und Boekel zu Leerbek, Verwandte Frederics, beanspruchten beide das alleinige Erbrecht für sich. Was folgte, war die schon oben angeführte Rechtsstreitigkeit, die gekennzeichnet von Verleumdung, Falschaussagen und Missgunst selbst in kleinsten Dingen ein Novum im harnacer Recht darstellte. Schlussendlich musste Protektor Sandro dú Cuponde persönlich, als höchste Instanz des Landes, ein Urteil fällen. Burg und Gut wurden verkauft und die, nach Abzug der Bezahlung der Justitiare und Gerichtskosten übrigen, minimalen Geldmittel je zur Hälfte an beide Streitparteien ausbezahlt. Die neue Besitzergemeinschaft, unter anderem eine ausländische Magierin, plant Gerüchten zu Folge hier eine Akademie der magischen Künste oder ein Kriegererholungsheim einzurichten.

· Konsortium Ottenbruck e.K: Schon im alten Harnac betrieben hier einige fleißige Handwerker mehrere Siedesalinen und Gradierwerke, die die natürlich aus den Hügeln austretende Sole nutzten um Kochsalz, vorrangig für die Fischereibetriebe des Hollensteiner Meeres, herzustellen. Nachdem die Dämonenkriege zu Ende waren und der wirtschaftliche Wiederaufbau im Rahmen des REPAH 5-1 auch das südliche Harnac erreichte, entschlossen sich einige der zurück gekehrten Einwohner den Betrieb wieder aufzunehmen. Unter Federführung von Wilhelm Ottensfeld und Georg Bruckner beantragte man Fördergelder bei der Protektoratsverwaltung und begann im Jahre 1003 HZR wieder mit der Produktion. Aufgrund des über die Jahre stetig gestiegenen Salzbedarfes in Harnac ist man inzwischen auch, eben den klassischen Gewinnungsmethoden aus Sole, zum Steinsalz-Bergbau übergegangen um beispielsweise landwirtschaftliche Dünger produzieren zu können. In den neuerschlossenen Gebieten weiter östlich fanden die Prospektoren 1005 HZR, neben Salz auch reiche Kupfererz- Lagerstätten, die heutzutage einen Großteil des harnacer Bedarfes decken können. In der firmeneigenen Siedlung Ottensbruck, gegründet von den beiden heutigen Geschäftsführern um schlichtweg näher an ihrer Arbeitsstätte zu wohnen, entwickelte sich im Laufe der Jahre durch Zuzug der Familien von Arbeitern ein geschäftiges kleines Dorf mit etwa 450 Einwohnern. Dass hier eine wirtschaftliche Gesellschaft selbst Alles, vom Gemischtwarenladen über das eigene Spital bis hin zur sozialen Absicherung ihrer Arbeiter, übernimmt wird in harnacer Expertenkreisen heute als interessantes Geschäftsmodell rege diskutiert.

· Leerbek: Gegründet von der adeligen Familie Boekel, Vasallen der Barone vom Hollenstein, um das Jahr 700 HZR erlebte der Ort Leerbek, wie so viele andere in Harnac, eine wechselvolle Geschichte. Einst ein lokales Zentrum mit einträglicher Zollstation in Richtung Taëria, entwickelte sich die Siedlung unter Herrschaft der Ritter von Boekel bis zu den Dämonenkriegen prächtig. Es wurde sogar darüber spekuliert, ob Leerbek eines Tages der Stadt Munden den Rang ablaufen könnte. Dann kam der Krieg und brachte Zerstörung über den prosperierenden Ort. Das wehrfähige Volk sammelte sich unter den Bannern der jeweiligen Lehnsherren, während die restlichen Menschen die Flucht antraten. Nach Beendigung des Krieges kehrten die wenigen Überlebenden in ihre verwüsteten Ortschaften zurück und
begannen mal mehr, mal weniger erfolgreich mit dem Wiederaufbau. Das heutige Leerbek ist ein Beispiel für die weniger-Variante. Dieses liegt großteilig nicht an der örtlichen Bevölkerung, sondern an schlechter Führung. Die Boekel zu Leerbek, wie so viele andere Familien auch, schickten ihre schwächsten Mitglieder in Sicherheit und stellten sich dem Feind. Eben diese Mitglieder waren es dann auch die, im Zuge des Wiederaufbaus, ihre Ansprüche erneuerten. Leider waren die überlebenden Familienmitglieder nicht wirklich fähig, sondern hingen vorrangig den Erfolgen der Vergangenheit nach. So ist es nicht verwunderlich, das Leerbek heute, mit seinen etwa 570 Einwohnern, unter großer Abwanderung zu leiden hat, denn nur noch die Zollstation und die schrumpfenden Ländereien der Boekel zu Leerbek bieten einigermaßen vielen Bewohnern Arbeit und Brot.

· Veghel: Für die wieder aufgebaute Fischersiedlung Veghel, mit seinen heute ungefähr 500 Bewohnern, kann im Prinzip das gleiche gesagt werden wie über die wechselvolle Geschichte Leerbeks. Vor den Kriegen ein Zentrum der Fisch- und Reetgewerbe und heute, aufgrund großteilig unfähiger Führung, nur noch ein Schatten seiner selbst. Erschwerend oder als Glücksfall, je nachdem welche Seite der Medaille man betrachtet, kann hier allerdings noch der Fakt gewertet werden, das sich die überlebenden Familienmitglieder im albyonischen Exil nach einem internen Zwist in zwei eigenständige Zweige auftrennten, die Aden- und die Brenken Veghel. Die Ersteren übernahmen dann im Zuge des Wiederaufbaus die Macht über ihre alten Besitzungen, während die zweite Familie weitgehend leer ausging. Sigwart von Brenken-Veghel machte im Verlauf der Jahre allerdings aus dieser Not eine Tugend und begann als Kaufmann das Reetgewerbe der Region, gekennzeichnet von flachen Uferarealen und sumpfigem Gelände, zu reformieren. Wurde Enmarscher Reet zuvor großteilig lokal zur Dacheindeckung genutzt, liefert Brenken-Reet e.K. heute, neben dem Rohstoff, auch gleich die spezielle ausgebildeten
Zimmerleute und Dachdecker für Baustellen in ganz Harnac. Die Familie Aden-Veghel allerdings, ganz in der Vergangenheit verhaftet, hat kein so glückliches Händchen. Zur Statussicherung, die mehr Geld kostet als hereinkommt, wurden nach und nach viele Ländereien verkauft. Und auch der teure Rechtsstreit um Steinlohe, maßgeblich vorangetrieben von den Anführern der jeweiligen Häuser, Rasmus von Aden-Veghel und Hubert Boekel zu Leerbek, Cousins zweiten Grades, brachte im Endeffekt keinen materiellen Gewinn. Einzig das Fischereigewerbe, mit Veghel als traditionellem Haupthafen des südlichen Hollensteiner Meeres, kann im Moment noch als eine Stütze der Familienfinanzen angesehen werden.

· Hollensteiner Meer: Das riesige Gewässer ist, der Definition nach, eigentlich nur ein Binnensee und kein Binnenmeer. In der Umgangssprache der Bewohner Harnacs, die meisten von ihnen haben noch nie ein richtiges Meer gesehen, wird es aber landläufig als Meer bezeichnet. Das war schon im alten Harnac so, und auch die Protektoratsregierung hat sich dieser Namensgebung angeschlossen, zumal mit dem Inneren Meer in Albyon eine ähnlich falsche Bezeichnung existiert. Die Bewohner der etwa dreißig Dörfer an den Ufern, jeweils zwischen 100 und 300, leben in erster Linie natürlich vom Fischfang. Im Hollensteiner Meer leben, wie Naturkundler 1010 HZR des Hauses der Vitallia in Leinach im Rahmen einer Projektarbeit festgestellt haben, über 30 verschiedene Fischarten, wobei der lachsartige Felchen und der forellenartige Seesaibling die größten Beständen darstellen. Zudem gibt es, neben dem schon erwähnten Reetgewerbe im südlichen Teil, noch regen Warenverkehr überall quer über den See. Da Produkte aus dem westlichen Harnac, etwa der Baronie Markbach, wesentlich schneller und damit kostengünstiger nach Hollenstein gebracht werden können, als wenn man den „Umweg“
über die großen Handelsstraßen nähme, nutzen viele Händler die unterschiedlichsten Lastkähne. Dieser Schifffahrtstradition ist es vorrangig auch zu verdanken, das eine große Gruppe Menschen hier die Dämonenkriege relativ unbeschadet überleben konnte. Während die dunklen Wesen überall in Harnac Dorf um Dorf niedermachten, beluden die Einwohner einiger Dörfer am Hollensteiner Meer ihre Boote und fuhren auf den See hinaus. Hier banden sie diese dann fest zusammen und mit den Schiffen weiterer Flüchtlinge entstanden nach und nach einige kleine schwimmende Dörfer. Ausreichend Wasser, Fisch im Übermaß und einzelne schnelle Landgänge sorgten dafür dass die Menschen überleben konnten. Anscheinend hat diese, aus der Not geborene, Siedlungsform auch in heutigen Tagen noch einige Vorteile, treiben doch mindestens noch zwei dieser Schiffsdörfer über das Meer.

· Der Finger: Mitten im südlichen Hollensteiner Meer ragt auf einer kleinen Insel eine etwa 100 Schritt hohe Feldnadel lotrecht in den Himmel. Wahrscheinlich vulkanischen Ursprungs steht sie hier solange Menschen an den Gestaden des Sees siedeln und über die Jahrhunderte rankten sich allerlei Geschichten und Legenden um den Finger. Vertraut man den alten Männern aus dem einen Dorf, soll er den Ort einer untergegangenen Stadt markieren, ein paar Dörfer weiter erzählt man sich er wäre der Versammlungsort der Seenymphen, nichts davon konnte in der Vergangenheit bewiesen werden. Heute existiert hier nur eine Schutzhütte in der Fischer die ab und an auftretenden Unwetter über dem See abwarten, ansonsten ist die Insel unbewohnt.

· Kummersee: Das Gewässer das jetzt Kummersee genannt wird, wurde angeblich in den Dämonenkriegen durch einen gewaltigen Erdrutsch stark eingeengt und so nahezu vom restlichen Hollensteiner Meer abgetrennt. Der übrig gebliebene Durchgang verlandete schnell und heutzutage kann man, zumindest halbwegs trockenen Fußes, hier einen sumpfigen Uferstreifen queren. Gerüchte, das an diesem Ort der Baron vom Hollenstein und seine kleine Flotte von einem Hagel aus Felsbrocken erschlagen wurden halten sich zwar hartnäckig, aber da niemand auf dem Gefolge des Barons die Kriege überlebte, bleibt es fraglich was hier wirklich geschah. Den Name Kummersee soll, der örtlichen Bevölkerung nach von traurigen Wassergeistern stammen die, nunmehr von ihren Brüdern und Schwestern im Hollensteiner
Meer getrennt, in nebeligen Nächten ein gar schauriges Trauerlied erklingen lassen. Aufgrund der durch die Abtrennung entstandenen Fischarmut im Kummersee, also Verlust der Lebensgrundlage, wurde im Jahre 1004 HZR mit der künstlichen Ansiedlung von Flussaalen begonnen, ein Projekt, dessen Erfolg die Zweifler von damals schnell verstummen ließ.

· Dorf Opried: Das mittelgroße Dorf am Nordufer des Kummersees, mit seinen etwa 250 Einwohnern, überstand die Dämonenkriege in baulicher Hinsicht relativ unbeschadet. Einige alteingesessene Einwohner behaupten, das läge schlichtweg an der Tatsache dass die Gegend um Opried so abgeschieden und unwichtig war, andere hingegen begründen es mit göttlichem Beistand. Am östlichen Ortsrand, etwa 200 Schritt hinter den letzten Häusern befindet sich nämlich ein kleiner alter Tempel der Göttin Vitallia, der ebenfalls die Verwüstung im restlichen Hollenstein völlig unbeschadet überstanden hat. Hier soll sich, einigen Experten zufolge das Grab von Jasper Solinius befinden, jenes Mannes der um das Jahr 500 HZR die eigentliche Vitallia-Kirche begründete. In den letzten Jahren herrscht zwar einiger Disput unter den Gelehrten der Kirche ob der Authentizität des Grabes, der regelmäßig wachsenden Menge an Pilgern tut dieses aber keinen Abbruch. Neben den Einnahmen aus Unterbringung der Pilger und der Aalzucht hat in den Jahren des Wiederaufbaus noch eine Tatsache zum wachsendenWohlstand Oprieds beigetragen. Aufgrund der fehlenden Verbindung zwischen Kummersee und Hollensteiner Meer werden Waren, die für die Baronie Markbach oder die Stadt Leinach bestimmt sind, über die Straße nach Opried transportiert und erst hier auf Lastkähne umgeladen. · Feste Hollenstein: Die ehemalige Stammburg der Barone vom Hollenstein befindet sich auf einem schwer zugänglichen Plateau, etwa 20 Schritt oberhalb des Hollensteiner Meeres. Zu ihrer Hochzeit war die Feste Hollenstein eine der größten Burganlagen Harnacs und somit auch eines der ersten Ziele in den Dämonenkriegen. Heute ist die malerisch gelegene Ruine, deren Wiederaufbau keinerlei Wert hätte, nur noch ein beliebtes Ausflugsziel der Mundener Bürger. Eine unregelmäßig verkehrende Fährverbindung von Munden und ein kleiner Gasthof mit einigen Zimmern am Fuße des Burgplateaus bieten den Besuchern hier einige Annehmlichkeit. Ob man nun die erhaltenen Fresken in der ehemaligen Burgkapelle besichtigt, oder einen Tag im Grünen mit der Familie verbringt, die Werbung des Gasthofes beschreibt es ganz richtig: „Tradition und Erholung – Der Hollenstein ist immer einen Ausflug wert“.

 


Baronie Markbach


Die Baronie Markbach liegt im Süden Harnacs zwischen der Baronie Hardtland und der Baronie Hollenstein. Nach Norden hin begrenzt die Baronie Weissenfels und nach Süden der taërianische Schutzwall, Limes genannt, die kleinste Baronie Harnacs. Die Schondra, zentral gelegen, wird von den Flüssen Raune und Waller gespeist, welche auch ungefähr die geografische Grenze im Norden bilden, wohingegen im Westen die große Handelsstraße No.3 die Baronie abgrenzt.
Geographisch hat Markbach wenige Waldflächen zu bieten, auch Berge findet man keine. Im Südwesten erhebt sich ein kleiner Höhenzug, ein Ausläufer des Hügellandes welches Hardtland fast komplett bedeckt. An diesen Hügeln liegt auch die Hauptstadt der Baronie, Sternegg. Eingeteilt ist Markbach in die Verwaltungsbezirke Sternegg, unter Thesia von Sternegg, Schondrafall, unter Kaspar von Rudingsfeld, und Argelsteen, unter Theofried von Nordersteeg.

Die Hügel haben sich leider als arm an Bodenschätzen entpuppt, allerdings wird dort mit Erfolg Weinbau betrieben. Sternegger heißt die weiße Traube die hier angebaut wird und deren Saft, neben Wein, auch zu einem wohlschmeckenden Brandt verarbeitet wird.
Gepflasterte Straßen hat man, genau wie Wirtshäuser der Familie Markhardt, in der gesamten Baronie bisher vergeblich gesucht. Zu stolz waren die Bewohner auf die alten Handelswege über die Schondra, zu abgelegen der gesamte Landstrich. Der Fluss war gleichzeitig Haupthandels- und Reiseroute. Treidelpfade und, zum Übersetzen auf festgestampften Lehmwegen, auch die eine oder andere Furt, bildeten das einzige ausgearbeitete Straßennetz. Jetzt allerdings, den REPAH 5 sei Dank, werden auch größere Straßen gebaut um das Protektorat innerhalb zu verbinden und die Reisezeit zu verkürzen. Der größte Teil der etwa 14.000 Einwohner Markbachs besteht aus ehemaligen Taërianern, welche sich aber selbst inzwischen als Harnacer sehen und auch so bezeichnet werden wollen.
Nach dem Tod des ehemaligen Barons Venorian IV gleich zu Beginn der Kriegswirren hat Markbach keinen obersten Herrscher mehr, für ihn übernahm Vogt Rubeus von Sternegg kurzzeitig die Leitung der Baronie. Dessen Herrschaft allerdings endete schon bald tödlich, seiner Frau und seiner Tochter Thesia gelang die Flucht zum Weltenturm. Seit 1002 HZR wird Markbach nun von Baronin temporales Thesia von Sternegg geleitet, eben jener Tochter des oben genannten Rubeus. Man munkelt von einer Hassliebe zwischen Thesia und dem Verwalter von Schondrafall, Kaspar von Rudingsfeld, der mit ihr im albyonischen Exil weilte, aber außer dem allgemeinen Briefverkehr, den Streitigkeiten zwischen Schondrafall und Sternegg und den vierteljährlichen Treffen der Verwalter gibt es nur wenige Berührungspunkte zwischen den beiden.

Wie schon erwähnt, stützt sich Markbachs Wirtschaft vorrangig auf die Alkoholproduktion.
Weine aus Sternegg, Apfelweine aus Schondrafall und auch stärkere Spezialitäten haben, nicht nur innerhalb Harnacs, viele Liebhaber gefunden.
Bekannte und erwähnenswerte Orte:

• Sternegg: Die Hauptstadt der Baronie ist mit 3.000 Einwohnern, die sich rund um die Burg Sternegg angesiedelt haben, ist auch die größte der Siedlungen in Markbach und hat Schondrafall als ehemalige Hauptstadt bis vor dem Krieg abgelöst. 1003 HZR wurden alle Häuser, die von vor dem Krieg übrig geblieben waren, abgerissen. Geplant wurde unter der Leitung des Architekten Norbert Wunderreich und der Aufsicht der Baronin von Sternegg ein Stadtbau am Reißbrett. Es wurden neben der neuen Stadtmauer, die die Stadt um einiges vergrößern sollte und auch die Weinberge und Felder mit einschließt, auch Verteidigungsanlagen und eine Garnison, die jederzeit mit 250 Soldaten bestückt wird, eingeplant. Baronin Thesia von Sternegg hat hier ihren Regierungssitz eingerichtet und verwaltet diesen Bezirk selbst. Unter ihr entstanden Schreine beziehungsweise Tempel aller guten und neutralen harnacer Götter, eine Zeitung, der Markbacher Marktschreier, ein Museum und eine große Bibliothek. Der Tempel der Sarasena und der Schrein der Vitalia stehen in direkter Nachbarschaft zum großen Gebäude der magischen Gilde, die trotz des Aberglaubens des Volkes hier einen Außensitz errichtet hat. In Sternegg werden hauptsächlich mit dem Anbau von Wein und der Verarbeitung der Trauben gute Erträge gemacht. Jährlich im Erntemond findet hier das Sternegger Sternenschießen, ein Bogenschützenturnier mit einem großen Jahrmarkt, der sich über eine Woche zieht, statt. Der Sieger des Turniers erhält einen golden bemalten lebenden Hammel nebst den dazugehörigen Kochgewürzen, direkt aus dem privaten Besitz der Baronin. Heftig im Streit um die größere, und damit bedeutendere, Feier steht Sternegg dabei mit den Großen Spielen in Schondrafall. Man sagt die magische Gilde habe da schon den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag gemacht, die man in den nächsten Jahren, wenn finanzielle Mittel verfügbar sind, auch in die Tat umsetzen möchte.

• Breitenfels: Vom einstigen Rittergut Breitenfels steht nur noch die Ruine der Burgkapelle, in der im Zuge von REPAH 5-1 und der Wiederbesiedlung unter Putz Reste altertümlicher Götterbilder gefunden wurden, von denen ein dreiäugiger Kriegsgott noch am besten zu erkennen war. Die faszinierenden Funde aus der grauen Vorzeit Harnacs sind im Historischen Museum zu Sternegg einzusehen. In der Endphase der Dämonenkriege herrschte ein gewisser Hakon von Tümpelfels in Breitenfels, der angeblich mit finsteren Mächten im Bunde stand. Seine Frau Finna, die den Bann brach und seinem Treiben, und damit ihrem Leben ein Ende gesetzt haben soll wird heute noch in ganz Markbach als Heilige verehrt. Die finsteren Umtriebe Hakon von Tümpelfels kann man in der kompletten Gegend um Breitenfels sehen, verdorrtes Gras, verkrüppelte Bäume, widerliche Kreaturen und verbrannte Erde überziehen das Land und Durchreisende berichten zusätzlich über Geistererscheinungen. Eine Gemeinschaft von etwa 30 Druiden hat sich inzwischen hier angesiedelt und versucht seit 1004 HZR dem Land neue Kräfte zu geben. Doch es wird sicherlich noch Jahrzehnte brauchen bis man in diesem Gebiet wieder sorglos leben kann.

• Schondrafall: Vor dem Krieg eine blühende Stadt mit ihren 9.000 Einwohnern die sich auf eine lange Geschichte berufen, gegründet etwa 300 HZR, und sehr gut vom Handel über die Schondra leben konnte. Hier hatte der Sarasena-Orden während der Dämonenkriege sein Hauptquartier aufgeschlagen, eine große Garnison konnte an die 1.500 Soldaten im stehenden Heer beherbergen. Leider wurde alles während des Krieges komplett geschliffen, die Bewohner mussten und konnten fliehen, und die Ruine der ehemaligen Hauptstadt diente nach dem Krieg zunächst einmal als Steinbruch. Die Hauptstadt, inklusive der schwarzen Steine der Garnison, verteilte sich dank REPAH 5 als Straßenbelag über die ganze Baronie. An die Stelle der Steinhäuser sind Holz- und Fachwerkbauten getreten, in die die rund 2.000 Einwohner der immer noch wachsenden Stadt unterkommen. Haupterwerbsgrundlage ist hier der Handel, Fischfang und -zucht. Verwaltet wird die Region Schondrafall von Kaspar von Rudingsfeld der zusammen mit der Baronin aus dem albyonischen Exil zurückkehrte und die alljährlich im Herbst stattfindenden Großen Spiele nur zu gerne wieder aufgenommen hat. Diese alten Spiele können sich auf eine mehrere Jahrhunderte alte Tradition berufen, in Sternegg wurden Wandbehänge gefunden, die beweisen dass die ersten Sieger 457 HZR aus Sternegg kamen. Alle Einwohner von Schondrafall bestreiten natürlich traditionell die Authentizität dieser Teppiche aufs Schärfste und so ist es nicht verwunderlich das ein Komitee von Schondrafaller Bürgern erst jüngst eine Studie über die Echtheit der historischen Webstruktur bei Experten der albyonischen Quinappalus-Martinus-Akademie in Auftrag gab. Die Spiele selbst gliedern sich in Wettkämpfe im Baumstamm-Weitwurf, ein Hindernisrennen einen steilen Abhang hinunter, hier hat man auf Grund der Verletzungsgefahr bei Neu-Harnacern die Hindernisse erhöht und das Gefälle aufgeschüttet, sehr zum Unmut der Alt-Harnacer und das traditionelle Kuh-Bingo. Dieses wird im Moment aus Mangel an Kühen durch Eierlauf mit erschwerten Regeln ersetzt. Hierzu gesellen sich ein Wettessen von Apfelkuchen und das Schießen eines Apfels vom Kopf einer hölzernen Figur mit dem Bogen.

• Bernburg: Das alte Rittergut, mit etwa 180 Bewohnern, wird zurzeit verwaltet von Gero von Markfeld, einem albyonischen Ritter der mit seiner Familie 1003 HZR die große Ehre hatte, das Gut von Protektor Sandro dú Cuponde persönlich zum Lehen verliehen zu bekommen. Hier läuft alles ein wenig strammer ab als im restlichen Markbach. Der Herr von Markfeld drillt seine Bauern und Handwerker und versucht auf einen kommenden Einfall der dunklen Horden vorbereitet zu sein. Dabei hat er, so heißt es, bereits mehr ausgegeben als in seinen einstmals vollen Kassen zu finden war und steht bei seinen albyonischen Gönnern, unter anderem auch Sandro dú Cuponde, hoch in der Kreide. Dafür ist das Gut inzwischen auch mit der solidesten Wehrmauer in ganz Markbach, vielleicht sogar in ganz Harnac, bestückt. Die Steine hierfür hat Gero von Markfeld extra aus Albyon importieren lassen. Verstärkt seit 1011 HZR sucht der, von vielen Einwohnern für paranoid gehaltene, Ritter außerdem im ganzen Land nach Artefakten die Schutz gegen dämonische Eindringlinge bringen könnten.

• Argelsteen: Die Feste Argelsteen, so sagt man, sei verflucht. Mit Ritter Gerald von Grätenfall fing alles an. Er kam 639 HZR durch dubiose Geschäfte, vielleicht auch den Gewinn eines Turniers, da sind die Geschichten uneins, an das Land und den Besitz der Feste. Er konnte seinen neuen Besitz nicht lange behalten, eine schwere Seuche raffte ihn und seine gesamte Familie dahin. In den folgenden 20 Jahren erging es den neuen Besitzern nicht besser und lange Zeit war die Feste verlassen. Erst Theofried von Nordersteeg, der sie heute besitzt, scheint einen Weg gefunden zu haben, den Fluch aufzuheben. Immerhin wohnt der einzige albyonische Verwalter Markbachs nun bereits seit zehn Jahren auf der Feste und weder ihm, noch seiner reizenden jungen Frau Adelgunde scheint es an irgendetwas zu fehlen. Die großen Umbauarbeiten die er noch vor Inbesitznahme der Feste anordnen ließ und das Trockenlegen des Umlandes haben wohl die Wahrscheinlichkeiten eines plötzlichen, schmerzhaften oder langsam siechenden Todes verringert. Würde sich jetzt noch der Kindersegen im Hause Nordersteeg einfinden wäre das Glück des Paares unermesslich. Wohl auch deswegen hat der Herr von Nordersteeg einige große Spenden an den Orden der Vitalia richten lassen und auf seinem Landgut einen kleinen Schrein errichtet. Die Stadt Argelsteen, die sich an die Feste anschließt beherbergt inzwischen knapp 1.200 Einwohner und ist damit die drittgrößte in Markbach. Zu erwähnen seien hier die Handwerksbetriebe, die sich vor allem auf Holz- und Tuchverarbeitung spezialisiert haben. Die Ansiedlung der Handwerker ist vor allem von Nordersteeg zuzuschreiben, denn er brachte aus Albyon 300 Handwerker und Architekten mit, die sowohl die Feste umarbeiteten, als auch die Planung der Stadt Sternegg übernahmen und sich nun mit ihren Familien in Argelsteen angesiedelt haben.

• Steinesbrücke: Die Stadt an der Schondra, mit ungefähr 780 Einwohnern, südlich von Schondrafall gelegen, wurde nach dem Krieg wieder vollständig aufgebaut. Einiges an Wald wurde gerodet und neue Apfelhaine angelegt. Steinesbrücker Apfelwein, zumeist unter dem Markennamen Steinesbrücker Gold e.M. vertrieben, ist nicht nur in Markbach ein Name der für gute Qualität aber auch für den kleinen Geldbeutel steht. Immer mehr Siedler zieht es hier her und der Markt für Apfelwein ist noch lange nicht ausgeschöpft. Vielleicht schafft es die Stadt in naher Zukunft sogar Argelsteen ihren Rang abzulaufen und noch in diesem Jahrzehnt die 1.000 Einwohnergrenze zu überschreiten. Einige Familien treiben hier ihre Konkurrenz auf die Spitze und es soll nicht selten zu angezettelten Streiks bei den Roßmoorer Werken kommen weil ihre Produktion grade besser als die der Steinhauer läuft. Auch die backende Zunft hat sich hier niedergelassen und Spezialitäten, wie der Steinesbrücker Apfelstrudel, sind in aller Munde.
Der Orden der Vitalia fühlt sich hier, am Rande der Stadt, sehr wohl und wird von allen Einwohnern der Stadt, der größte Teils besteht aus ehemaligen Taërianern gern gesehen. Abt Ordo Gerstenkorn führt seinen kleinen Orden, 15 Ordensbrüder und -schwestern, mit lockerer Hand und versorgt die Stadt mit selbstgebrautem Dunkelbier.

• Die Schondra: Der Fluss teilt die Baronie fast komplett in Nord-Südrichtung und ist ganzjährig befahrbar. Will man das auch tun, also die Schondra stromauf oder stromab bereisen, wendet man sich am besten an die Händler, die von der Grenze zu Taëria bis nach Schondrafall fahren und ihre Waren dort anpreisen um sicher durch die Stromschnellen zu kommen. Auch die Wege am Rand der Schondra sind gut ausgebaut und dienen als Treidelpfade. Der Reisende wird zu beiden Flussufern zumindest Schutzhütten finden, in denen das Nötigste, wie trockenes Feuerholz, einen Kessel auf dem Kamin und einige Decken, vorhanden ist und von den reisenden Händlern wird man schnell darauf aufmerksam gemacht das Verbrauchte auch wieder aufzufüllen.

• Rodenbrandt: Wo das unzugängliche Dickicht der Wälder den freundlichen Grasflächen der Schondra-Region Platz macht, liegt Rodenbrandt, mit heutzutage 320 Einwohnern. Der Ort steht immer noch und war nie Schauplatz von Kriegszügen oder Aufständen. Die Menschen hier gelten als äußerst offen und friedfertig. Belächelt wie bewundert wird in ganz Markbach die Passion der Rodebrandter, äußerst detailverliebte Holz- und Stoffpuppen herzustellen. Angeblich, so erzählt man sich, können wahre Meister dieser Kunst die Puppen sogar mit Leben erfüllen. Das Umland Rodenbrandts ist geprägt von weiten Feldern und Weiden, auf denen Schafe, Rinder und Ziegen in großen Herden grasen. Selbst eine kleine Pferdezucht wird nahe dem Ort im Gestüt Treublatt betrieben.

• Der Wall: Böse Zungen behaupten, dass Markbach mit den Taërianern ein gutes Geschäft gemacht habe. Die Mehrzahl der Exilanten hat sich positiv in die Gesellschaft einbringen lassen, sei auch nicht weitergezogen und benehme sich „ganz anständig“. Und die Zahl der Siedler sei von Protektor Sandro dú Cuponde immer lobend erwähnt worden. Seit 1005 HZR, aus welchem Grund auch immer, den wissen wahrscheinlich nicht mal die Taërianer, hat es allerdings keine großen Einwanderungsschübe aus dem Nachbarland mehr gegeben. Dafür blüht der Handel, der hauptsächlich über die Schondra abgewickelt wird. Als wirkliches Bauwerk ist der Wall, von den Taërianern Limes genannt, allerdings nur noch an den Südrändern von Markbach und Hollenstein existent. In Markbach quasi aus Tradition, in Hollenstein weil das südliche Waldgebiet in der Enmarsch spärlich besiedelt ist. An der restlichen Südgrenze Harnacs zu Taëria verfällt das Bauwerk, ob seiner Überflüssigkeit, zusehends.

• Grenzwacht: Am Schutzwall gelegen hat die Stadt den Krieg gut überlebt. Kaum Verwüstung hat sie erlebt. Die 400 Einwohner waren zu Beginn nicht begeistert vom Wall, hat man doch dort bis 1005 HZR leichte Schwerverbrecher in das von den Taërianern ungeliebte Nachbarland geschickt. Allerdings wurde der Schutzwall im Süden mal stärker, mal weniger stark, bewacht, und so blühte der Schmuggel. So ist es nicht verwunderlich dass die Grenzwächter mit dem Ende des Krieges und dem Wiederaufbauprogramm REPAH 5-1 nicht wirklich warm wurden. Unzufrieden mit all den Umständen gab es hier kurz nach Kriegsende eine Auswanderungswelle nach Taëria, allerdings hatte sich das nach kurzer Zeit auch wieder erledigt als man feststellte, dass das Gras auf der anderen Seite des Walls auch nicht grüner wuchs als auf der eigenen.

 


Baronie Hardtland


Der Hirsch, der Hirsch, sieht nicht Land, sieht nicht Leut, vor lauter Bäumen, der Hirsch schlecht gedeut.

Golden Hirsch von Leinach, Theobald, Spottverse eines Narren

Die Baronie Hardtland, im Südwesten gelegen, bildete lange Zeit das Zentrum des alten harnacer Königreiches unter den beridischen Herrschern. Weit früher jedoch lag in dieser Gegend das Siedlungzentrum des Stammes der Norava, deren Häuptling Clenn angeblich in der Schlacht am weißen Stein die erste Vereinigung Harnac herbeiführte und den Grundstein der harnacer Zeitrechnung setzte. Die extrem dürftige Quellenlage mach es heutigen Historikern schwer, ein genaues Bild über die Verhältnisse zu zeichnen, als erwiesen gilt allerdings, das um das Jahr 260 HZR schon eine Siedlung Leinack oder Linnach als Herschersitz etabliert war. Als Jahrhunderte später die Beriden die Herrschaft im Rahmen blutiger Vertreibungskriege übernahmen, eigneten sie sich auch eben diese Stadt an um sie als Hauptstadt ihres neuen Königreiches auszubauen.
Der Namensteil Hardt in der alten Bezeichung des Landstriches leitet sich wahrscheinlich aus dem Wort Hart her, das einem ausgestorbenen regionalen Dialekt nach Hirsch bedeutet. Ob diese Namensgebung nun darauf hinweist, das Hardtland in früheren Jahrhunderten stark bewaldet war, oder irgendeine Beziehung zum vermuteten Stammeswappen der Norava, aus dem die Beriden den Hirsch übernahmen, besteht ist unklar.

Im Norden grenzt Hardtland an die Baronien Herrnhaag und Weißenfels, im Osten an die Baronie Markbach und im Westen sowie Süden an den mittelländischen Anrainer, die Mark.
Auf dem Gebiet der Baronie gibt es keine nennenswerten Wasserstraßen, dafür aber umso mehr gewöhnliche Verkehrswege. Die großen Handelsstraßen No.1 „Große Waldroute“ und die noch namenlose Handelsstraße No.3 kreuzen sich direkt im Zentrum von Leinach, während in der restlichen Baronie, aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, das Wegenetz nahezu so gut ausgebaut ist wie in Weißenfels. Mit dem wieder aufgebauten Leinach als Hauptort, ist die Baronie im Moment eingeteilt in die Verwaltungsbezirke Brauningen, Jagsten und Heckhofen und wird von Baronin Elisa II. von Hirschfelden auch von hier verwaltet.

„Wenn Eckwalde die Kornkammer Harnacs ist, so haben wir hier den Gemüsegarten!“ Wahre Worte, sind doch etwa zwei Drittel der Baronie von einer fruchtbaren Hügellandschaft bedeckt in denen jede Art von Gartenbau betrieben wird. Im nördlichen Jagsten und großen Teilen von Brauningen produzieren die Bauern Obst, vorrangig Äpfel, Kirschen und Birnen, während in Heckhofen und im südlichen Jagsten eine breite Palette Gemüse angebaut wird. Die wichtigsten wären hierbei Weiß- und Blumenkohl, alle Arten von Rüben, Zwiebeln, Gurken, Bohnen und Kopfsalate.

Die zweite Säule der Wirtschaft Hardtlands besteht zum einen aus den weit reichenden, teilweise von der Protektoratsverwaltung geförderten, Pferdezuchten Brauningens, zum anderen durch die Förderung von Blei, Zink, Silber und Kohle an zwei Standorten.
Bekannte und erwähnenswerte Orte:

• Leinach: Die alte harnacer Königsstadt Leinach hat, als damaliges Machtzentrum verständlich, in den Dämonenkriegen sehr stark gelitten. Die oberirdische Bausubstanz blieb nur zu etwa 10% erhalten und von den ehemals ungefähr 10.000 Einwohnern kehrten nur knapp 1000 in ihre Heimatstadt zurück. Um 260 HZR wahrscheinlich als Handelsplatz vom Stamm der Norava an einer Biegung des, damals noch unbenannten, Flusses Raune gegründet, ist Leinach die älteste Stadt des ganzen Landes. Nach Ende der Norava-Herrschaft um 290 HZR zerfiel das Land wieder in Kleinstaaten und Stammesgebiete, das inzwischen bedeutende Zentrum Leinach aber blieb bestehen. Erst die Beriden, ein Stamm aus dem Norden, gingen um das Jahr 599 HZR als Sieger aus einer Epoche der Verwüstung und Vertreibungskriege und damit erneute Einiger Harnacs hervor. Sie traten somit Jahrhunderte später das Erbe der Norava an und wählten, wahrscheinlich als versöhnende Geste gegenüber der örtlichen Bevölkerung, auch dieselbe Stadt zu ihrer Hauptstadt. Um 600 HZR rief der erste harnacer König, Gottric, hier ein Reich aus, das mit kleinen Unterbrechungen nominell 390 Jahre Bestand hatte. Leinach wurde, unter der Herrschaft der Beriden, Schritt für Schritt zum Zentrum von Handel, Kultur und Verwaltung. Hier trafen die größten Straßen zusammen. Hier stand die königliche Burg. Hier befanden sich die Haupthäuser der Vitallia-Kirche, des Atron-Kultes und der Gillian-Gemeinschaft. Im Jahre 957 HZR kam der letzte König aus dem Haus Berid, Hindan XIII. an die Macht und mit ihm begann bekannterweise nicht nur der Untergang Leinachs, sondern ganz Harnacs. Nach Ende der Dämonenkriege war relativ schnell klar, das Leinach vorerst nicht wieder die Hauptstadt Harnacs sein würde, denn die Protektoratsverwaltung entschied sich aufgrund der besser erhaltenen Bausubstanz für das in Eckwalde gelegene Thamberg. Die zurückgekehrten Leinacher Bürger wollten ihre Heimat aber nicht aufgeben sondern errichteten, mit logistischer wie finanzieller Unterstützung der Protektoratsverwaltung, ihre Stadt sozusagen aus dem Gedächtnis erneut. Obwohl die alte Königsstadt, mit ihren heute wieder etwa 5000 Bewohnern, noch nicht vollends wieder im alten Glanz erstrahlt, kann sie sich doch zu recht als Zweite Stadt in Harnac betrachten. Neben den vielen Märkten, nicht zuletzt den oben erwähnten großen Handelsstraßen die sich auf dem Stadtgebiet kreuzen geschuldet, kann sich Leinach heute wieder rühmen einige der bedeutendsten Einrichtungen Harnacs zu beherbergen. Das Haupthaus der Vitallia-Kirche, die Atron-Bibliothek, die Halle des Handwerks, die Gerlo-Richwiesen-Arena oder die wieder aufgebaute Königsburg als Residenz der Baronin Elisa II. von Hirschfelden, um nur einige zu nennen.

• Beridum: Die ausgedehnte Schlossanlage süd-westlich von Leinach wurde um 970 HZR vom letzten harnacer König, Hindan XIII. vorrangig als Jagdsitz und Sommerresidenz errichtet. Die zweiflügelige Anlage erhob sich auf einem künstlich angelegten Hügel am Rande des Jagster Forstes und war umgeben von einer, ebenfalls künstlich angelegten, Park- und Teichlandschaft. König Hindan, der mit zunehmender Geisteskrankheit und Paranoia häufiger seine Tage hier verbrachte, ließ die umliegenden Dörfer immer öfter nach vermeintlichen Saboteuren und Staatsfeinden durchsuchen und die gefundenen Menschen dann öffentlich im Park des Schlosses foltern. Dieses Verhalten führte schließlich im Jahre 988 HZR dazu, das ein wütender Mob in Abwesenheit des Herrschers das Schloss stürmte, alle Wertgegenstände stahl und ein Feuer legte, das große Teile der Anlage vernichtete. Ob dieses Ereignis nun den Wahnsinn Hindans endgültig besiegelte ist unklar, heute jedenfalls erinnern nur noch eine Gedenktafel und die verwahrlosten Parkanlagen an Beridum, die zerstörten Gebäude wurden von der örtlichen Bevölkerung als Steinbruch im Rahmen des Wiederaufbaus genutzt.
• Henebach: Stellvertretend für viele Siedlungen Hardtlands kann das Dorf Henebach, mit seinen nahezu 400 Einwohnern, gelten. Es liegt ziemlich mittig an der Grenze zwischen Gemüse- und Obstanbaugebieten und dient als lokales Zentrum für Handel und Transport eben dieser Waren. An sich ist diese Gegebenheit nicht besonders erwähnenswert, läge das Dorf nicht günstig in einer von drei Seiten geschützten Talmulde, die es vor extremen Wetterlagen bewahrt. Diesem Umstand ist es, neben der guten Bodenbeschaffenheit, wohl auch zu verdanken, das sich das Kollegium der Landwirtschaft und Heilkunst, beheimatet im Haus der Vitallia in Leinach, im Jahre 1008 HZR dazu entschloss am Rande des Dorfes eine Außenstelle zur Erforschung von Heilpflanzen einzurichten. Das kleine Kloster, mit etwa 100 Brüdern und Schwestern der unermüdlichen Göttin bewirtschaftet heute fast die Hälfte des Henebacher Tales und baut dort neben den gängigen Heilpflanzen, etwa Weidenrinde oder Kamille, in speziellen Zuchthäusern auch exotischere Dinge wie das Tausendgüldenkraut und Bitteren Beifuß an. Werden im Kollegium in Leinach inzwischen vorrangig die Behandlung akuter Wundleiden und neueste Operationsmethoden erforscht und gelehrt, so hat sich das Haus der Vitallia in Henebach über die Jahre auf die Linderung chronischer Leiden mit natürlichen Mitteln spezialisiert. Die hier entwickelten Mittel gegen, zum Beispiel asthmatische Erkrankungen der Atemwege, genießen in der harnacer Fachwelt und weit über die Landesgrenzen hinaus, einen hervorragenden Ruf. So ist es denn auch nicht verwunderlich, das die kleine Krankenstation mit 35 Betten relativ regelmäßig mit Patienten aus vielen Landesteilen voll belegt ist.

• Obernstelle und Niedernstelle: Die Bewohner der beiden kleinen Dörfer, je etwa 150-200, verbindet seit Jahren eine anhaltende Abneigung gegenüber den jeweils Anderen. Gegründet wurden beide Siedlungen lange vor den Dämonenkriegen von zwei regional rivalisierenden Adelsfamilien, den Herren von Birkenhain und den Rittern von Morbach. Um den, vom König verfügten, Landfrieden zu wahren konnten beide Seiten nicht zu den Waffen greifen, da ihnen sonst empfindliche Konsequenzen bis hin zu Entzug des Lehens gedroht hätten. Also versuchten sie sich auf wirtschaftlicher Ebene zu schaden und gründeten dazu am Steller Höcker, an der jeweiligen Lehensgrenze, zwei Ortschaften, die unter anderem als Zollstationen fungierten. Der Grund des Zwistes ist lange vergessen und auch die beiden adeligen Familien wurden in den Dämonenkriegen vollständig ausgelöscht, die traditionelle Abneigung der Dörfler gegeneinander blieb jedoch. Allerdings ist diese weitestgehend nicht mehr so stark, wie zu früheren Zeiten, da man eingesehen hat, das ein ständiger Zwist nur den Einwohnern selbst schadet und die wirtschaftliche Entwicklung behindert, auch wenn Prügeleien zwischen den Jugendlichen beider Dörfer noch recht häufig vorkommen. Heutzutage hat man sich darauf verständigt den Konkurrenzkampf auf einer eher kulturellen Ebene auszutragen und dafür im Jahre 1006 HZR den Wettbewerb „Unser Dorf soll hübscher werden!“ begründet. Anfangs nur mit lokaler Beteiligung, reichten 1010 HZR schon über 100 Dörfer in ganz Harnac ihre Bewerbungsunterlagen in Büro der Protektoratsverwaltung in Leinach ein. Eine Kommission bestehend aus je einem Einwohner von Obern- und Niedernstelle, zwei Beamten der Protektoratsverwaltung und, jährlich wechselnd, einem Mitglied der sechs Baronien, meist ein Angehöriger der herrschenden Familie, reisen durch ganz Harnac und bewerten die teilnehmenden Dörfer in den Punkten Grüngestaltung und Blumenschmuck, Maßnahmen zur Steigerung der dörflichen Lebensqualität und Wirtschaft und Kultur. Der jeweilige Jahressieger hat das Recht sich, unter Nennung der Jahreszahl, als Golddorf zu bezeichnen und erhält eine in der Höhe nicht bekannte finanzielle Zuwendung der Protektoratverwaltung. Im Jahre 1008 HZR errangen Obern- und Niedernstelle übrigens gemeinsam den Jahressieg.

• Grube „Hellig Frouw“: Im Gebiet der Genesteiner Kuppen, wie diese bergige Region in der Mitte Heckhofens traditionell genannt wird, wurde schon seit Generationen in einzelnen kleinen Minenbetrieben Kohle gefördert. Aber erst mit den REPAH-Plänen der Protektoratsverwaltung konnten die Ressourcen der Region professionell und gewinnbringend, von den heute hier ansässigen etwa 800 Bergleuten, umfassend erschlossen werden. Als Aushängeschild gilt heutzutage die Grube „Hellig Frouw“, benannt nach der Schutzheiligen der albyonischen Bergleute, der heiligen Barbara. Hier wird in Tiefen bis zu 1000 Schritt, neben anderen Kohlearten, die wegen ihres hohen Energiegehaltes bei Schmieden äußerst beliebte Anthrazitkohle abgebaut. Zugleich dient der Grubenbetrieb aber auch als technisches Erprobungsbergwerk der bekannten Schule für Wirtschaft und Technik in Thamberg, deren Experten hier neue Abbaumethoden erproben. Die neueste Entwicklung der klugen Köpfe ist ein, mit Wasserkraft angetriebener, mechanischer Kohlenhobel, der die mühselige manuelle Förderung mit Spitzhacke und Schaufel wesentlich erleichtern soll.

• A.G.R.A.R.: Das im südlichsten Ausläufer Hardtlands gelegene Acker- und Gartenbau Ressort – Abteilung Rüben, die Zweigstelle eines Instituts der albyonischen Quinappalus-Martinus-Akademie, ist seit seiner Einrichtung das Ziel kontrovers und teilweise gewalttätig geführter Auseinandersetzungen. Nach Ende der Dämonenkriege begann sich die Protektoratsverwaltung darüber zu sorgen wie die zurückströmenden Harnacer in ihrem großflächig zerstörten Land adäquat mit Lebensmittel versorgt werden könnten. Da nicht ausreichend albyonische Importe durch das Nadelöhr am Weltenturm gelangen konnten und die Verkehrswege zu Anrainern zumeist noch nicht passierbar waren, entschloss man sich eine experimentelle Forschungsstelle für Gartenbau in Harnac anzulegen. Hier sollten in möglichst kurzer Zeit Düngemittel entwickelt werden, die einen maximalen Ertrag an Kulturpflanzen erzeugen sollten. Schon bald konnten die Wissenschaftler erste Erfolge mit organischen Varianten, wie besonderen Rindenmulch-Sorten oder Fledermausguano, erzielen, der grundlegenden Knappheit an Lebensmitteln konnte das allerdings nur partiell entgegenwirken, da die benötigten Rohstoffe nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung standen. Einer der Forscher, Dr.Mag.agr. Albertus Hatten, entwickelte schließlich eine Methode bei der eine gemahlene Abart des, aus der skavischen Kultur bekannten, Warpsteins zur Gemüsedüngung eingesetzt wurde. Entgegen den, meist aus Meteoren stammenden, schwarz-grünen Warpsteinen, die eine Manifestation chaotisch dunkler Magie sein sollen, weist der sogenannte Graustein nur die mutations-fördernden nicht jedoch die metaphysischen Eigenschaften des Originals auf. Etwa 50kg dieses Minerals wurden so aus einem nicht näher bekannten Land importiert und schon mit einer Menge von 1kg pro 100 Rechtsschritte konnten beeindruckende Resultate, wie drei Schritt lange Karotten oder bis zu 950kg schwer Kürbisse, erzielt werden. Die Akzeptanz für solche Produkte auf Seiten der Bevölkerung war allerdings so gering, dass die Protektoratsverwaltung im Jahre 1009 HZR beschloss künftig nur noch Versuche mit natürlichen Düngern zu genehmigen. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang besonders an den wütenden Mob der, maßgeblich vom harnacer Widerstand aufgewiegelt, unter dem Schlachtruf „Keine Monstermöhren in harnacer Mägen“ die Graustein-Versuchsfelder nieder brannte. Da die Versorgung mit traditionell angebauten Lebensmitteln inzwischen wieder weitestgehend sichergestellt war, entschied man sich auch die Werbekampagne „Harnac ernährt die Mittellande“ vorerst auf Eis zu legen.

• Ennigfeld: Das Dorf Ennigfeld, eine Neugründung im Zuge des Wiederaufbaus, sollte den Plänen der Protektoratsregierung nach eigentlich als Transportzentrum landwirtschaftlicher Produkte im südlichen Jagsten fungieren, unter den ersten Siedlern waren aber besonders viele Gerber und Schumacher zu finden, die ihr erlerntes Handwerk nicht aufgeben wollten. So kam es, dass sich immer mehr Personen aus den Leder verarbeitenden Gewerben in Ennigfeld ansiedelten und der Logistiksektor eher zweitrangig wurde. Heute stellen die meisten der annähernd 400 Einwohner hochwertige Lederwaren, wie Schuhe, Taschen und Bekleidung, her. Aber auch einige Spezialbetriebe für Reitbedarf, Möbelproduktion oder Buchrücken vertreiben von hier ihre Produkte unter der bekannten eingetragenen Marke „Gemacht in Ennigfeld e.M.“.

• Jonasthal: Am Westrand des Brauninger Hügellandes, in einem weitläufigen Hochtal gelegen, ist das große Dorf Jonasthal heute ein Inbegriff für die weithin berühmten hardtländer Pferdezuchten. In den vielen Gestüten der Gegend werden neben normalen Reit-, Last- und Zugpferden auch exotische Gattungen wie der Westwiesener, ein ausdauernder Renner, oder die, oft als Grubenpferde eingesetzten, Jonasthaler Ponys, gezüchtet. Die wohl bekannteste Pferdezucht des Landes aber befindet sich am Ortsrand von Jonasthal und ist nicht nur den etwa 550 Einwohnern ein Begriff. Im, von der Protektoratsverwaltung geleiteten, Gestüt Graditz werden die bekannten Hochwalder aufgezogen und ausgebildet. Die zuverlässigen und robusten Kaltblutpferde mit einem Stockmaß von über 1,65 Schritt und Gewichten bis zu 1100kg gelten trotz ihres massigen Körpers als sehr agil und lebhaft und werden vorrangig als Schlachtrosse für den Militärdienst gezüchtet. Jeden Sommer findet in der Leinacher Gerlo-Richwiesen-Arena unter Vorsitz jonasthaler Rangrichter, eine große Pferdeschau mit diversen Reitturnieren statt.

• Berg Isa-Minen: Im weitläufigen Minenkomplex unter den Bergen des mittleren Brauningen liegen einige der am besten erschlossenen Erzvorkommen des Landes und schon vor den Kriegen förderten hier drei eigenständige Minenbetriebe den Großteil der im Lande benötigten Mengen von Blei, Zink und Silber. Die Minen Schwarzer Stern, X41 und Georg Fischer wurden dann im Zuge des Wiederaufbaus zu einer einzigen Gesellschaft, der Berg-Isa-Minen e.Ges. zusammengelegt und fördern heute mit über 500 Bergleuten und neuester Technik wieder annähernd dieselben Mengen Erze wie vor der Verwüstung. Zurzeit ist ein weiterer Schachtausbau in der X41 bis auf eine Tiefe von 1200 Schritt geplant, das Umsetzten dieser wagemutigen Pläne wäre nicht nur für Harnac ein neuer Rekord.

• Mieselbrueck: Im kleinen Örtchen Mieselbrueck mit ungefähr 250 Einwohnern, an der großen Handelsstraße No.2 westlich von Leinach im schmalen Tal der Miesel gelegen, herrscht das ganze Jahr über ein wirklich mildes Klima. So ist es denn auch nicht verwunderlich, das sich im Laufe der Jahre ein Großteil der gartenbaulichen Fläche von Obstanbau hin zur Blumenzucht gewandelt hat. Neben Geranien, Tulpen, Nelken und allerlei anderen Sorten werden aber vor allem Sonnenblumen und Rosen zur Weiterverarbeitung, zum Beispiel als Rosenöl für Hersteller von Duftwässern, angebaut. Das bekannteste Produkt des Blumendorfes ist denn auch die sogenannte Baronsrose, eine langstielige Rose, die in den jeweiligen Farben der sechs harnacer Baronien gezüchtet wird. Obwohl eigentlich dafür prädestiniert, konnte Mieselbrueck noch nie den Wettbewerb „Unser Dorf soll hübscher werden!“ gewinnen, aber die Dorfoberen rechnen sich für die nächsten Jahre gute Chancen aus.